Die meisten Menschen haben eine vage Vorstellung davon, was eine aktivierende Pflege ist. Doch was ist der Kern? Worauf muss geachtet werden und welche genauen Vorteile bringt die aktivierende Pflege mit sich?

Hilfe zur Selbsthilfe

Wer krank ist, gehört ins Bett – diese Ansicht fand man früher häufig. Doch auch wenn Bettruhe in vielen Fällen förderlich ist, weiß man heute, dass zu viel Ruhezeit sich negativ auf Körper und Geist auswirkt. Eine zu lange Immobilität bringt Muskelabbau, Dekubitus und Depressionen mit sich. An dieser Stelle setzt die aktivierende Pflege an. Sie ist eine fähigkeitsfördernde und integrierende Pflegeform, die dazu dient, Betroffene im Umgang mit der eigenen Situation zu unterstützen und ihre Alltagskompetenzen und Fähigkeiten unter Anleitung einzusetzen.

Werden bei der versorgenden Grundpflege dem Patienten die meisten Tätigkeiten abgenommen, wodurch der Betroffene in einer passiven Rolle verharrt, werden bei der aktivierenden Pflege die Patienten motiviert, bei den zu verrichtenden Tätigkeiten mitzuhelfen. Das Ziel dabei ist, die vorhandenen körperlichen, geistigen, emotionalen und sozialen Fähigkeiten zu erhalten, zu fördern und verlorene Fähigkeiten zu reaktivieren. Auf diese Art wird die Eigenständigkeit soweit wie möglich bewahrt – die Patienten können selbstbestimmt am Leben teilnehmen und ihren Alltag mitgestalten.

Worauf muss bei der aktivierenden Pflege geachtet werden?

Jeder Mensch ist anders – So wie jede Person sich von anderen unterscheidet, ist auch die aktivierende Pflege immer unterschiedlich. Es reicht nicht, ein einmal entworfenes Konzept zu nehmen und es auf alle Patienten gleich anzuwenden. Denn jede Person bringt andere körperliche Voraussetzungen und Ressourcen mit sich und auf diese muss die Betreuung abgestimmt werden. Das Spektrum kann dabei von einer leichten Unterstützung und Anleitung bei Aufgaben des täglichen Lebens, z.B. das Anziehen der Schuhe, bis zu Intensivpflegemaßnahmen mit aktivierenden Impulsen reichen.

Sprechen Sie über Vorstellungen – Es ist wichtig, zu Beginn der aktivierenden Pflege darüber zu reden, welche Maßnahmen der Betroffene noch selbst übernehmen kann oder auch möchte. Manche Patienten haben anfangs noch keine Vorstellung davon, was sie selbst noch alles zu leisten imstande sind. Tasten Sie sich langsam an das Thema heran und finden es zusammen heraus. Wenn Sie die Vorstellungen und Wünsche der pflegebedürftigen Person mit einbeziehen, fühlt sich diese wertgeschätzt und wird zusätzlich motiviert.

Der Patient gibt das Tempo vor – Bei der aktivierenden Pflege soll der Patient zwar gefordert, aber nicht überfordert werden. Deshalb ist es wichtig, dem Patienten nach Möglichkeit die Zeit zu geben, die er braucht. Dabei kann es helfen, die betroffene Person selbst ausprobieren zu lassen, was und wie eine Sache angegangen wird. Nicht jeder mag es, jemand neben sich stehen zu haben und ständig gesagt zu bekommen, was man machen soll. Versuchen Sie einen Moment inne zu halten und machen hin und wieder einen Lösungsvorschlag.

Den Wunsch der betroffenen Person akzeptieren – Auch wenn es schwerfällt: Wenn die zu pflegende Person sich weigert mitzuhelfen, müssen Sie das akzeptieren. Sie können zu Beginn noch verwandte und geliebte Personen miteinbinden und versuchen den Patienten zu motivieren. Weigert er sich jedoch beharrlich, müssen Sie seine Entscheidung anerkennen.

Der Zeitaufwand – Jede aktivierende Pflege benötigt zunächst mehr Zeit und Mühe. Dies gilt für beide Parteien – den Pflegenden und den Pflegebedürftigen. Doch auf Dauer gesehen lohnt sich der anfängliche Mehraufwand. Je nach Pflegegrad kann die aktivierende Pflege in relativ kurzer Zeit zu sichtbaren Erfolgen führen. Die Patienten lernen in vielen Bereichen sich wieder selbst zu helfen und der Pflegeaufwand sinkt im Verlauf erheblich. Hinzu kommt der Umstand, dass wenn den zu pflegenden Personen alles abgenommen wird, immer mehr Fähigkeiten verloren gehen und somit einen wachsenden Pflegebedarf nach sich ziehen.

Vorteile der aktivierenden Pflege

Fähigkeiten werden gefördert und erhalten – Durch zielgerichtete Maßnahmen und Aktivitäten werden die körperlichen, geistigen, sozialen und emotionalen Fähigkeiten der zu pflegenden Person gefördert und erhalten. Des Weiteren können durch die Aktivierung auch verloren gemeinte Fähigkeiten wiedererlangt werden.

Verbesserung des Wohlbefindens – Indem Ausdrucksmöglichkeiten geschaffen werden, das Selbstwertgefühl gestärkt und Sicherheit vermittelt wird, trägt die aktivierende Pflege zum seelischen Wohlbefinden bei. Außerdem wird der soziale Zustand durch gemeinsame Aktivitäten mit vertrauten Personen und durch Kontakte zur Außenwelt verbessert.

Aktivierung aller Ebenen – Auf der einen Ebene werden durch gezielte Übungen die Fein- und Grobmotorik gefördert, auf der anderen wird die sinnliche Wahrnehmung von Augen, Haut, Mund, Nase und Ohren angeregt. Darüber hinaus aktivieren bestimmte Programme die geistigen Fähigkeiten.

Erhaltung der Selbständigkeit – Die aktivierende Pflege erhält und fördert die Selbstständigkeit der pflegebedürftigen Person. Dadurch kann eine weitgehende Unabhängigkeit von der Pflegekraft erlangt werden, wodurch das Selbstwertgefühl gesteigert wird.

Selbstachtung stärken – Je weniger ein Mensch selbst leisten kann und auf Hilfe von außen angewiesen ist, desto weniger Sinn sieht er in seinem Leben und desto nutzloser und wertloser fühlt er sich. Daher ist es wichtig, den Betroffenen Hilfe zur Selbsthilfe zu geben. Egal wie klein die selbst ausgeführte Handlung zu Beginn ist, sie fördert die Selbstsicherheit, steigert das Selbstwertgefühl und stärkt die Selbstachtung.

Ein Hinweis zum Schluss

Die gemeinnützige Stiftung „Zentrum für Qualität in der Pflege“ hat eine Übersicht zu bewegungsfördernden Interventionen herausgebracht. Hier finden Sie Hinweise zu den Voraussetzungen der Teilnehmer und zur Durchführung einzelner Übungen: Zur Übersicht Bewegungsförderung der ZQP.