Jeder Mensch hat das Recht, sich frei zu bewegen. Doch es gibt Situationen in der Pflege, da kann diese Freiheit zur Gefahr werden. Das Fixieren von Patienten, sollte dagegen aber der letzte Schritt sein. Denn es gibt andere Möglichkeiten.

Warum wird fixiert?

Fixierung, oder genauer: Freiheitsentziehende Maßnahmen (FEM) sind ein stark diskutiertes Thema in der Pflege. Da jeder Mensch das Recht hat, sich frei zu bewegen, werden diese Maßnahmen oft als eine besondere Form der Gewalt dargestellt. Die Begründung für diese freiheitsentziehenden Maßnahmen liegt darin, dass die Patienten vor Stürzen und Verletzungen geschützt werden sollen. Sie werden nur eingesetzt, wenn es keine Alternative gibt, um eine Gefahr abzuwenden. Deswegen wird in der Pflege mit Bettgittern, Gurten und tiefen Sesseln gearbeitet. Selbst Medikamente wie Schlafmittel und Psychopharmaka gelten als FEM, wenn diese ohne eine weitere medizinische Begründung eingesetzt werden. Dennoch muss jede Maßnahme mit dem Pflegebedürftigen oder durch eine gerichtliche Genehmigung bewilligt werden. Nur bei Lebensgefahr können FEM ohne Genehmigung angewendet werden.

Die Risiken von FEM

Laut dem aktuellen Wissensstand richten viele Formen von Fixierung manchmal mehr Schaden an, als dass sie Patienten in ihrer Situation helfen. Unter anderem führt es zu Angst, Aggressionen Stress oder sogar zu Halluzinationen. Auch körperliche Konsequenzen wie blaue Flecke, Knochenbrüche oder Ersticken sind mögliche Risiken. Letztendlich werden auch Stürze wahrscheinlicher, da durch die körperliche Einschränkung die Muskelkraft und die Koordinationsfähigkeit nachlassen. Gerade deswegen ist es wichtig Alternativen aufzuzeigen, in denen die freie Beweglichkeit der Patienten möglich gemacht wird, ohne, dass das Verletzungsrisiko vergrößert wird.

Bei Sturzgefahr

Durch ein gezieltes Geh- und Mobilitätstraining oder ein Kraft- und Balancetraining kann den Patienten mehr Sicherheit in ihren Bewegungen gegeben werden. Hartnäckig bleiben ist hier das Stichwort: Anfangs kann solches Training frustrierend sein, weil man oft kurzfristig keine merklichen Erfolge feststellt. Auf lange Sicht aber zahlt sich das ganze aus: Mehr Balance, mehr Sicherheit und damit mehr Lebensfreude sind das Ergebnis. Auch technische Hilfsmittel können das Leben erleichtern: Spezielle Sensoren an Bett oder der Matratze zum Beispiel können erkennen, wenn der Patient das Bett verlässt und aktivieren dann eine spezielle Beleuchtung. Außerdem können provisorische Hilfsmittel wie Sturzhelme, geteilte Bettgitter und Niederflurbetten benutzt werden.

Bei Gesundheitsgefahr

Besonders nach dem Legen eines lebenswichtigen Katheters muss eine spezielle Vorsorge getroffen werden. Es sollte darauf geachtet werden, dass auf die individuellen Wünsche, Bedürfnisse und Rituale der Patienten eingegangen wird. Dabei ist es auch wichtig Kommunikationshilfen für den Patienten zu schaffen und regelmäßige Hilfestellungen anzubieten. Die Nutzung von Fäustlingen oder Bändern während der Nachtruhe können auch das Risiko einer Gefährdung mindern.

Bei aggressivem Verhalten

Aggressives Verhalten hat immer seine Ursachen. Menschen dann einfach zu Fixieren macht das Problem in nahezu allen Fällen nur schlimmer. Stattdessen gilt es, es nach den Ursachen zu forschen und dabei die persönliche Geschichte des Patienten mit einzubeziehen. Hierbei kann auch ein Beobachtungsbogen hilfreich sein, in dem das Verhalten der Pflegebedürftigen protokolliert wird. Nur, wenn diese Maßnahmen keine Erfolge bringen, kann auch eine Medikation durch einen Facharzt vorgenommen werden.

Bei starker motorischer Unruhe

Auch bei starker motorischer Unruhe sollte erst durch aufmerksame Beobachtung überprüft werden, welche Ursachen vorliegen. Denn an sich ist ein gesunder Bewegungsdrang ja nichts Schlechtes – Im Gegenteil: gezielt ausgelebt ist er genau das richtige. Wichtig ist das Stichwort „gezielt“: Mit Motorischen Übungen lässt sich der Drang oft in konstruktive Bahnen leiten.

Mit den richtigen Methoden lassen sich also oft Alternativen zur Fixierung finden, die nicht nur Gefahren vorbeugen, sondern bei Pflegebedürftigen aktiv für mehr Lebensfreude und Selbstständigkeit sorgen können.