Die Versorgung und Begleitung von Pflegebedürftigen mit Depression ist eine herausfordernde und anspruchsvolle Situation für Pflegepersonal. Heutzutage werden im Schnitt bei 10 bis 15 Prozent aller älteren Leute depressive Symptome festgestellt. Was bedeutet das also für den Pflegealltag und wie geht man am Besten damit um?

Wann ist es eine Depression

Aufgrund des heutigen zum Teil umgangssprachlichen Gebrauchs des Wortes „depressiv“ muss eines direkt klargestellt werden: Depression ist nicht zu verwechseln mit Traurigkeit. Eine Depression ist eine behandlungsbedürftige Erkrankung, während Traurigkeit oder Niedergeschlagenheit oft situativ sind. Insbesondere bei der sogenannten „Altersdepression“ ist allerdings die Abgrenzung einer depressiven Erkrankung von Traurigkeit oder Niedergeschlagenheit nicht so einfach.

Traurigkeit ist situativ, Depression bleibt

Belastende Ereignisse oder Situationen, die das Altern in der Regel mit sich bringt– wie eine Erkrankung, der Umzug in ein Pflegeheim oder Ähnliches – können ähnliche Symptome hervorrufen wie eine Depression: Traurigkeit, gedrückte Stimmung, Desinteresse, Antriebslosigkeit, Müdigkeit, sozialer Rückzug oder auch psychosomatische Folgen wie Schlafstörungen. Der Unterschied: Diese im Grunde emotionale Reaktion auf ein Ereignis oder eine Situation geht in der Regel mit der Zeit vorüber – eine Depression bleibt jedoch und verändert das Empfinden, Erleben und Verhalten eines Menschen grundlegend.

Pflege von Menschen mit Depression

Das hat natürlich auch Folgen für den Pflegealltag. Der Rückzug von Menschen mit Depression von sozialen Kontakten erschwert zum Einen die Kommunikation. Zwei Dinge sind dabei im Umgang mit depressiven Pflegebedürftigen wichtig: Akzeptanz und wenn es geht Nähe zeigen, aber dabei möglichst neutral bleiben. Denn weder Mitleid noch „Schönreden“ sind in dieser Situation hilfreich. Mitleid zu zeigen ist nicht der richtige Weg, weil Mitleid immer eigene Hilfslosigkeit dem Problem gegenüber vermittelt. Und wenn man die Situation versucht „schönzureden“ oder einfach ignoriert, fühlt sich der Betroffene oft missverstanden und alleingelassen und zieht sich ggf. noch weiter zurück. Stattdessen ist es gut, deutlich zu machen, dass man die Gefühle des anderen wahrnimmt – ohne sie zu bewerten.

Ein anderes Symptom von Depression, das sich mitunter stark auf den Pflegealltag auswirken kann, ist Antriebslosigkeit. Menschen mit Depression finden oft wenig Gefallen an alltäglichen Dingen wie Aufstehen oder Anziehen und auch die Nahrungsaufnahme wird durch Appetitlosigkeit beeinträchtigt. Behutsame Motivation und Ermunterung können hier helfen. Es ist von vielen Faktoren abhängig, ob der oder die Pflegebedürftige positiv auf die Anregungen reagiert. An dieser Stelle ist wichtig, ein konstantes Angebot aufrecht zu erhalten, ohne den Patienten zu drängen.

Individuell, aber dabei sachlich

Denn eine Sache ist nicht zu vernachlässigen: Jeder Pflegebedürftige reagiert unterschiedlich auf äußere Anreize und ist außerdem natürlich körperlich und geistig zu unterschiedlichen Dingen in der Lage – ob nun mit Depression oder ohne. Zu lernen, auf die individuellen Stimmungen und Interessen zu achten und kleine Aktivitäten und Wohlfühlmomente zu schaffen, sind dabei ein wichtiger Schlüssel.

Bei aller nötigen Empathie: sachlich bleiben

Für einen selbst ist es im Umgang mit depressiven Pflegebedürftigen wichtig, bei allem Einfühlen und Empathie sachlich zu bleiben. Hier muss man sich selbst schützen, um sich nicht ggf. von dem negativen und gedrückten Gemütszustand des Pflegebedürftigen „anstecken“ zu lassen (natürlich ist Depression nicht ansteckend, aber der tägliche Umgang mit einem Menschen mit Depression kann sich mitunter auf den eigenen Gemütszustand auswirken). Wichtig ist, den Pflegebedürftigen nicht mit aller Kraft aus seiner Depression „retten“ zu wollen, oder sich auf der anderen Seite in die depressive Gemütshaltung hineinziehen zu lassen. Und was immer hilft: Gespräche mit Teamkollegen und Freunden über das Thema.