Pflegedienst oder Pflegeheim – Wer mit der Ausbildung oder dem Studium fertig ist oder den Job wechseln möchte, hat im Pflegejob oft eine grundsätzliche Entscheidung zu treffen: Möchte man ambulant oder stationär arbeiten? Hier die wichtigsten Unterschiede beider Arbeitsformen und wie man zu einer Entscheidung findet.

Der größte Unterschied: Eigenverantwortung vs. Team

Grundsätzlich ist der größte und offensichtlichste Unterschied zwischen den beiden Organisationsformen die Art des Arbeitens, die daraus folgt: enge Teamarbeit auf der Station oder eigenverantwortliches Arbeiten unterwegs. Beides schließt sich natürlich nicht aus – auch auf der Station ist Eigenverantwortung gefragt und im ambulanten Pflegedienst wird ebenso im Team zusammengearbeitet. Aber der Arbeitsschwerpunkt unterscheidet sich.

Im ambulanten Dienst arbeitet man im Alltag allein mit dem Patienten. Wo im Heim Teamkollegen und oft auch Ärzte in unmittelbarer Nähe sind, muss man im ambulanten Dienst im Zweifel eigenverantwortlich Entscheidungen treffen. Auf der anderen Seite bedeutet die 1:1 Betreuung, dass man sich wirklich auf den Patienten einlassen und sehr individuell arbeiten kann. So entstehen enge Kontakte zu den Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen – und auch weiterführende Kontakte zu Ärzten, Physiotherapeuten, Friseuren, Apotheken etc.

Wechselndes vs. festes Umfeld und verschiedene Dienste

Bei der Verteilung der Arbeitszeiten ist ebenfalls ein Unterschied zu beachten. Im Normalfall bekommt man im ambulanten Dienst immer die gleiche Tour zu festen Zeiten zugewiesen, sodass man regelmäßig dieselben Patienten besucht. Lediglich die Früh- und Spätschicht kann wechseln. Nachtdienste entfallen bei Pflegediensten häufig, wenn diese Zeit durch pflegende Angehörige abgedeckt ist. Stationäres Arbeiten ist hingegen oft mit einem wechselnden Schichtdienst verbunden.

In einem festen Umfeld arbeiten, oder in der Wohnung des Pflegebedürftigen – beides hat Vor- und Nachteile.

Hinzu kommen die unterschiedlichen Arbeitsumfelder: Bei der stationären Arbeit sind Hilfsmittel etc. stets vorhanden und eingerichtet. Im ambulanten Dienst können die jeweiligen Wohnungen schonmal unterschiedlich gut ausgestattet sein. Aber dann liegt es auch in der Verantwortung des Pflegedienstes, die benötigten Hilfsmittel bei der Pflegekasse zu beantragen bzw. die Pflegebedürftigen und Angehörigen dabei proaktiv zu unterstützen.

Die Arbeit im ambulanten Dienst bringt außerdem den Zugriff auf einen Dienstwagen und ein Diensthandy mit sich, was je nach vertraglicher Regelung die ein oder andere Annehmlichkeit bedeutet (z.B. dass man den Wagen für den eigenen Arbeitsweg nutzen darf o.ä.).

Individuelle Stärken und persönliche Vorstellungen

Es gibt keine Pauschalaussage, ob es nun besser ist ambulant oder stationär zu arbeiten. Es kommt hierbei immer auf die eigene Persönlichkeit und die individuellen Stärken, Kompetenzen und Jobvorstellungen an. Für wen Selbstorganisation und Eigenverantwortung kein Problem, sondern Wunsch sind, für den ist die ambulante Arbeit interessant. Wer lieber eng im Team und an einem festen Ort arbeitet, der fühlt sich wohler in der stationären Arbeit.

Auch das Autofahren, das im ambulanten Dienst zum Job gehört, ist ein Punkt, der bei manchen Menschen Unsicherheit hervorruft, bei anderen Begeisterung und für manche schlicht eine untergeordnete Rolle spielt. Hier ist jeder Mensch unterschiedlich und hat verschiedene Vorlieben. Fest steht: Der ambulante Dienst ist häufig abwechslungsreicher und die Arbeit selbstbestimmter als im Pflegeheim, wo auf der anderen Seite jederzeit Unterstützung und alles Notwendige zugriffsbereit sind.

Konkrete Bedingungen vom Arbeitgeber abhängig

Die Erfahrungen und Einschätzungen zu diesem Thema können bei Pflegekräften stark auseinandergehen. Was der eine als perfekte Arbeitsweise empfindet, ist für den anderen purer Stress. Die konkreten Umstände sind zudem immer auch von dem jeweiligen Arbeitgeber abhängig und den konkreten Arbeits-Voraussetzungen und -Umständen. Gerade Themen wie Zeit für den Pflegebedürftigen, Gehalt und Arbeitslast sind sehr stark abhängig von dem jeweiligen Arbeitgeber und der internen Organisation.

Zwei Dinge müssen zusammenkommen: Die eigenen Vorlieben und Vorstellungen und die Arbeitsbedingungen beim jeweiligen Arbeitgeber.

Das Wichtigste bei der Frage „ambulant oder stationär arbeiten“ ist, das zu finden, was einem persönlich am besten gefällt, wo man sich wohl fühlt und vorstellen kann, langfristig zu arbeiten. Um konkrete Schritte bei der Entscheidungsfindung zu unternehmen, sollte man sich zuerst grundlegend Gedanken darüber machen, was einem im Arbeitsalltag wichtig ist, wo die eigenen Stärken liegen und wie man gerne arbeiten möchte – und wie nicht. Anschließend kann man sich dann bei den entsprechenden Stellen bewerben und bei den interessanten Arbeitgebern hospitieren und Probetage arbeiten, um sich ein Bild von der Arbeitsweise zu machen.