2018_01_23 Ausgrenzung

Es geschieht täglich in Deutschlands Betrieben und Büros: Ein Kollege oder eine Kollegin wird vom Team ignoriert, gemieden oder nicht informiert, also schlicht ausgegrenzt. Dabei kann es fast jeden treffen – die junge Kollegin, die neu ins Team kommt oder den älteren, erfahrenen Kollegen, der nur noch wenige Jahre bis zur Rente hat.

MECHANISMEN DER AUSGRENZUNG

Beispiel: Eine neue Kollegin kommt in ein eingespieltes Team aus mehreren Mitarbeitern. Sie ist jung und tatkräftig, aber noch wenig erfahren im Umgang mit Teamkollegen. Ob Schüchternheit oder Übermotivation und daraus resultierende Besserwisserei – oft wiederum ausgelöst durch Unsicherheit und Ängste – beides kann in dieser Situation dazu beitragen, dass die Kollegin nicht integriert wird.

Oder eine ältere Kollegin wird vom jüngeren Team ausgegrenzt – vielleicht weil ihre Lebensumstände andere sind als die der jüngeren Mitarbeiter. Ihre Kinder sind wahrscheinlich schon aus dem Haus und sie möchte gern ruhig ihrer Arbeit nachgehen. Sie hat im Laufe der Berufsjahre viel Erfahrung gesammelt und ihre Leistungen im Job sind gut – das kann auch Neid im Kollegium auslösen.

Oft beginnt der Ausgrenzungsprozess schleichend.

Am Anfang werden häufig zunächst einfache zwischenmenschliche Aktivitäten wie der morgendliche Gruß oder das Händeschütteln nicht mehr eingehalten.

Die Kollegin wird nicht mehr eingeladen, am gemeinsamen Mittagessen oder anderen Aktivitäten des Teams teilzunehmen. Und schließlich werden auch wichtige, den Job betreffende Informationen nicht mehr weitergegeben – die Betroffene beginnt, am Arbeitsplatz Fehler oder Unterlassungen zu begehen; ihre Leistungen werden schlechter. Das fällt schließlich auch dem Chef auf und führt oft dazu, dass dann Personalentscheidungen getroffen werden, die dem Problem nicht gerecht werden.

WIE LÄSST SICH GEGENSTEUERN?

Meist ist es ein langwieriger Prozess die einmal in Gang gekommene Ablehnung im Team zu durchbrechen. Gespräche mit einer neutralen Person, beispielsweise dem Betriebsarzt oder dem eigenen Hausarzt, können hier einen objektiven Blick auf die eigene Position im Kollegenteam erleichtern.

Eine offene Haltung dem Team gegenüber zu bewahren kann jetzt zwar schwierig werden, sollte aber auf jeden Fall angestrebt werden. Sich in sein Schneckenhaus zurück zu ziehen hilft hier gar nicht –stattdessen sollte man aktiv versuchen, sich für das Arbeitsteam einzusetzen und die Kollegen zu unterstützen. Täglicher Smalltalk – so unverfänglich wie möglich – kann wahre Wunder wirken.

Es kann auch helfen, Interesse an der Organisation von gemeinsamen Unternehmungen zu zeigen. Das kann der alljährliche Betriebsausflug sein, für den immer zu wenig helfende Hände zur Verfügung stehen, oder aber der wöchentliche kleine Einkauf für die Teamküche. Zu guter Letzt: Eine weiterhin engagierte, sowie sachlich und fachlich korrekte Arbeit – und keine „Ist-mir-doch-egal“-Haltung – kann dazu beitragen, weiter vom Team und vom Chef mit verantwortungsvollen Aufgaben betraut zu werden.

In sozialen Berufen ist Ausgrenzung bis hin zum Mobbing leider weit verbreitet.

Es gilt daher auch und insbesondere die Führungskräfte in Pflegeeinrichtungen für dieses Thema zu sensibilisieren, so dass solche Tendenzen schnell erkannt werden können. Eine konsequente Haltung des Unternehmens und der Teamleitung tragen dazu bei, dass möglichst von Anfang an gegen die Ausgrenzung von Mitarbeitern vorgegangen wird – am besten schon, bevor sie entsteht. Hier können auch regelmäßige und neutral geführte Mitarbeitergespräche helfen, bei denen jeder die Gelegenheit erhält, seine Arbeitssituation zu besprechen.