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Gute Beratung nimmt in der Pflege einen immer höheren Stellenwert ein. In Fachbüchern werden dem Thema oft nur ein kleines Kapitel oder ein paar Seiten gewidmet. Trotzdem gilt es im Berufsalltag von Pflegekräften oft mehrmals täglich, Angehörigen nicht nur mit Tat, sondern eben auch mit Rat zur Seite zu stehen. Die Nähe zum Menschen bietet hier zum Glück aber einzigartige Gelegenheiten.

BERATUNG IN DER PFLEGE

Vernünftige Beratung ist mehr als nur die reine Vermittlung von Wissen. Sie baut im Optimalfall auf drei Grundpfeilern auf und soll Ratsuchenden ermöglichen, so selbstständig wie möglich (aber auch mit so viel Hilfestellung wie nötig) Problemlösungen zu finden. Einer dieser drei Grundpfeiler ist der Aufbau von Selbstvertrauen: Unterstützt durch Anleitung sollen eigene Lösungswege für Probleme gefunden werden. Den zweiten Grundpfeiler einer Beratungssituation stellt das fachliche Wissen einer Pflegekraft dar. Dabei gilt nicht einfach, das eigene Fachwissen den Beteiligten zu vermitteln, sondern auch vorher zu wissen, welche Informationen überhaupt für sie relevant sind und sie nicht überfordern. Den dritten Grundpfeiler bildet ein partnerschaftliches Verhältnis zwischen Berateten und Beratern.

Eine Beratung sollte seitens des Beraters oder der Beraterin nie „von oben herab“ durchgeführt werden, sondern stets auf Augenhöhe mit Angehörigen und den Pflegebedürftigen selbst.

THEORIE UND PRAXIS

Jetzt mag der eine oder die andere fragen: Aber können Ärzte ein Krankheitsbild nicht besser erfassen? Beziehungsweise: Sind Seelsorger und Pädagogen durch ihre Beratungsexpertise nicht besser für Beratung geeignet? Theoretisch vielleicht, im tatsächlichen Pflegealltag können beide ihre Vorteile jedoch kaum einbringen. Ärzte haben medizinisch gesehen den größten theoretischen Wissensschatz, sind jedoch mit vielen Patienten ausgelastet und haben selten die Zeit für wiederholte, ausgiebige Beratungen. Seelsorger und Pädagogen wissen zwar in einer Beratungsfunktion mit Menschen umzugehen, haben aber nicht den fachlichen Hintergrund, der notwendig ist, eine fundierte Beratung im pflegerischen Kontext durchzuführen.

Pflegekräfte jedoch stehen in direktem Kontakt zu den Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen, erarbeiten sich nach und nach ein Vertrauensverhältnis.

Sie erfüllen alle wichtigen Voraussetzungen sowohl für den ersten und dritten Pfeiler der Beratung: Sie wissen genau, wie die Situation vor Ort ist und können ein partnerschaftliches Verhältnis zu den Menschen dort aufbauen. Wichtig ist also, wie es mit ihren Beratungsfähigkeiten aussieht.

DAS FACHWISSEN EINER PFLEGEKRAFT

Durch die tägliche Pflege erhalten Pflegekräfte weitreichende, aber auch intime Einblicke in die Lebensweise der Menschen, mit deren Pflege sie betraut werden. Dadurch wissen sie oft besser, was die Angehörigen oder die Pflegebedürftigen selbst meinen, wenn sie Fragen an sie haben. Zusätzlich kann eine Pflegekraft Beratungsanlässe erkennen, auch wenn ein Patient vielleicht noch gar kein Problem wahrnimmt. Zudem kennt eine Pflegekraft ihren Patienten gut. Sie kann einordnen inwieweit eine Hilfestellung notwendig ist und inwieweit der Patient zur Selbstständigkeit angeleitet werden kann. Das befähigt sie in besonderem Maß dazu, individuell zugeschnittene Lösungen zu finden. Pflegerinnen und Pfleger können gut einschätzen, welche Maßnahmen notwendig oder sinnvoll sind und welche Hilfe der Patient benötigt. Sich auf dem eigenen Fachwissen auszuruhen hilft niemandem, wenn man es nicht nutzt. Und das heißt in vielen Fällen eben auch, es durch gute Beratung an Angehörige weiterzugeben und damit sich selbst und alle Beteiligten zu entlasten.