2018_01_30 Pflegevergleich

Die Anzahl Pflegekräfte in Deutschland wächst beständig, aber nach wie vor haben sie es oft nicht leicht. Vor allem deshalb, weil der Bedarf schneller steigt, als die Zahl der Beschäftigten. Die Arbeitsbelastung wächst und der Stress nimmt zu. In der Politik ist die Pflegebranche in Deutschland gerade wieder ein wichtiges Thema – Doch wie sieht es eigentlich in anderen Ländern aus?

Wachsender Bedarf – steigender Mangel?

Laut Bundesministerium für Gesundheit waren in Deutschland 2015 knapp 1,1 Millionen Personen in ambulanten Pflegediensten und stationären Pflegeeinrichtungen beschäftigt.

Insgesamt hat sich die Zahl der im Pflegebereich tätigen Pflegefachkräfte seit 1999 um rund 77 Prozent erhöht. Doch der Bedarf wächst schneller als das Angebot.

Trotz einiger Verbesserungen in den letzten Jahren durch das Pflegestärkungsgesetz gibt es in Deutschland einen weiterhin wachsenden Bedarf und immer noch einen Mangel an Pflegekräften in den Pflegeeinrichtungen. Und dies wirkt sich natürlich auf die Arbeitssituation vieler Mitarbeiter aus.

Wie sieht es in unseren europäischen Nachbarländern aus?

Im internationalen Vergleich sind Pflegekräfte in Deutschland für überdurchschnittlich viele Patienten verantwortlich: In Deutschland wird eine Pflegekraft im Durchschnitt mit 13 Patienten betraut. In England beispielsweise betreut eine Pflegekraft im Durchschnitt lediglich acht Patienten, in der Schweiz und in Schweden nur sechs. Mit nur fünf Patienten in den Niederlanden und vier Patienten in Norwegen haben die Pflegekräfte dort durchschnittlich die meiste Zeit, um sich um die Pflegebedürftigen zu kümmern.

Pflegepersonal – woher und wohin?

Andererseits werden in Deutschland immer häufiger Pflegekräfte eingesetzt, die eigens aus dem Ausland kommen: Viele Interessenten für Pflegejobs kommen aus Osteuropa, aus Polen, Bulgarien oder dem Baltikum, aber auch aus Südostasien wie zum Beispiel aus Vietnam und von den Philippinen. Sie werden meist mit offenen Armen empfangen, denn jedes bisschen Unterstützung ist bei der Bekämpfung des Personalmangels in der Pflegebranche gern gesehen.

Auch Deutsche Pflegekräfte suchen manchmal ihr Glück woanders: Überwiegend ist das Ziel West- bzw. Mitteleuropa. Doch auch dort beurteilen nicht überall die Pflegekräfte ihre Arbeitsbedingungen als optimal: so geben nur 20 Prozent der schwedischen und 22 Prozent der niederländischen Pflegekräfte an, mit ihrem Gehalt zufrieden zu sein. In Deutschland sind es immerhin 34 Prozent.

Über die Grenzen geschaut

In einigen europäischen Ländern wie den Niederlanden oder Norwegen wird die Arbeitssituation in der Pflege meist besser eingeschätzt als in Deutschland. Und schaut man einmal über den großen Teich: In den USA werden für entsprechend ausgebildete Pflegefachkräfte – ausgestattet mit einem Hochschulstudium und in Jobs mit hoher Verantwortung – vergleichsweise hohe Gehälter gezahlt. Gleiches gilt für die Schweiz, in der 66 Prozent der Pflegenden angeben, mit ihrem Gehalt zufrieden zu sein.

Letztlich entscheidet jedoch immer der einzelne und die individuelle Situation. Die Lebens- und Berufsplanung hängt sicher nicht nur von der Höhe des Gehaltes ab. Viele verschiedene Faktoren spielen hier eine Rolle: Familiäre Bindungen sowie ein intakter Freundes- und Bekanntenkreis sind nicht zu unterschätzende Größen, die auch einem Erschöpfungssyndrom oder einem Burn-Out entgegenwirken können. Der wachsende Bedarf an Pflegefachkräften in Deutschland kann auch für alle diejenigen eine Chance bieten, die aktuell in ihrem beruflichen Umfeld Verbesserungsbedarf sehen. Denn den Status quo der deutschen Pflege zu verbessern ist ein Ziel, das aktuell vielleicht mehr Beachtung in der Öffentlichkeit genießt als je zuvor. Und dieses Ziel kann nur dann erreicht werden, wenn alle gemeinsam anpacken.

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