pflegestaerkungsgesetz

Zum 1. Januar 2016 ist das zweite Pflegestärkungsgesetz (PSG II) in Kraft getreten. Das Gesetz dient der Stärkung aller Versorgungsleistungen der Pflege und ermöglicht auch die Änderung weiterer Vorschriften. Zum 1. Januar 2017 sollen dann zudem ein neues Begutachtungsverfahren und eine Umstellung von Pflegestufe auf Pflegegrad umgesetzt werden.

DIESE ÄNDERUNGEN GIBT ES

Im Jahr 2016 wird der Grundstein für den Wechsel auf Pflegegrade und die Vorbereitung auf ein neues Begutachtungsverfahren gelegt.

Dazu werden in diesem Jahr die Rahmenverträge angepasst. Sie legen fest,  wie die pflegerische Versorgung an die Pflegebedürftigkeit angeglichen werden soll und schließen auch die Ausstattung des Personals mit ein.

Was die Beratung Angehöriger von Pflegebedürftigen betrifft, wird es ebenfalls Änderungen geben. Die Angehörigen erhalten nach der neuen Gesetzgebung Anspruch auf eine Pflegeberatung. Somit erhält jeder, der einen Antrag auf Leistungen bei der Pflegeversicherung stellt, automatisch ein Angebot zur Pflegeberatung.

Für den erfolgreichen Wechsel auf die Pflegegrade ist es nötig die Personalstrukturen und Personalschlüssel durch Pflegekassen, Sozialhilfeträger und Träger der Pflegeeinrichtungen zu prüfen. Je nach Bedarf sind diese dann anzupassen und bis September dieses Jahres neue Pflegesätze für die Pflegeheime zu vereinbaren. In den kommenden vier Jahren soll zur Personalbedarfsmessung ein gesichertes Verfahren entwickelt werden.

VERBESSERUNGEN IN PFLEGEEINRICHTUNGEN

In allen vollstationären Pflegeeinrichtungen wird es ab 2017 für die Pflegegrade 2-5 einen einheitlichen, pflegebedingten Eigenanteil geben. Dieser Eigenanteil steht in Zukunft nicht mehr in direktem Zusammenhang mit einer zunehmenden Pflegebedürftigkeit. Jeder Pflegebedürftige wird Anspruch auf zusätzliche Betreuungsangebote haben. Sowohl in voll- als auch in teilstationären Einrichtungen. Um die Finanzierung kümmert sich die soziale Pflegeversicherung.

PFLEGEBEDÜRFTIGE ERHALTEN MEHR UNTERSTÜTZUNG

Ziel der Pflegestärkungsgesetze ist es, der individuellen Situation Pflegebedürftiger und deren Angehörigen ein größeres Gewicht beizumessen. Dazu zählt auch dafür zu sorgen, dass es weniger Unterschiede in der Betreuung körperlicher und geistiger Einschränkungen gibt.

Schon das 2015 wirksam gewordene erste Pflegestärkungsgesetz hat Leistungsverbesserungen bewirkt. Das zweite Pflegestärkungsgesetz knüpft nun daran an, indem weitere Verbesserungen folgen und der Pflege ab 2017 jedes Jahr 5 Milliarden Euro mehr gewährt werden.

Anfang 2017 werden etwa 2,7 Millionen Pflegebedürftige jeweils in einen der neuen Pflegegrade transferiert. Jeder, der bereits Leistungen erhält, bekommt diese im gleichen Umfang auch weiterhin. Bei den meisten hat der Transfer in einen Pflegegrad aber insgesamt eine Steigerung der Unterstützung zur Folge.

EINSTUFUNG VON EINSCHRÄNKUNGEN UND IN PFLEGEGRADE

Ab 2017 werden sowohl körperliche, als auch psychische und geistige Einschränkungen auf gleicher Ebene erfasst und für die jeweilige Einstufung ausgewertet. Es kommt zu einer ausführlichen Begutachtung was den Grad der Selbstständigkeit in sechs verschiedene Kategorien betrifft und jeder Bereich trägt mit unterschiedlicher Gewichtung zum Gesamtergebnis bei. Dieses Ergebnis ist Grundlage für die Einstufung in einen bestimmten Pflegegrad.

Im Einzelnen handelt es sich um folgende Bereiche:

  • Kognitive und kommunikative Fähigkeiten (z.B. Orientierung vor Ort)
  • Verhaltensweisen und psychische Problemlagen (z.B. aggressives Verhalten)
  • Mobilität (z.B. Treppensteigen, Fortbewegung in der Wohnung)
  • Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte (tägliches Leben)
  • Selbstversorgung (z.B. Körperhygiene, Nahrungsaufnahme)
  • Bewältigung von selbstständigem Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen (z.B. Wahrnehmung von Arztbesuchen, Medikamenteneinnahme)

Geprüft wird jeweils, ob und in wieweit die Fähigkeit vorhanden ist und wie selbstständig die geprüfte Person noch ist.

MEHR ABSICHERUNG FÜR ANGEHÖRIGE

Durch das neue Gesetz wird die soziale Absicherung Angehöriger verbessert, die sich um einen Pflegebedürftigen kümmern. So wird beispielsweise die Pflegeversicherung für eine steigende Zahl pflegender Angehöriger Rentenbeiträge einrichten. Eine Rolle spielen dabei der Pflegegrad des Pflegebedürftigen und der Umfang der erbrachten Pflege durch die Person. Außerdem wird es auch eine Verbesserung der sozialen Absicherung von Pflegepersonen in der Unfall- und Arbeitslosenversicherung geben.

FORTSCHRITT GANZ UNKOMPLIZIERT

Insgesamt entstehen durch das neue, zweite Pflegestärkungsgesetz niemandem Nachteile. Eine Herabstufung ist nicht zu befürchten. Der Übergang in die Pflegegrade erfolgt automatisch, ohne umständliche Antragsverfahren und bei den Meisten wird sich eine starke Verbesserung ihrer Leistungen zeigen.