2018_01_09_Umgang_mit_dem_Tod_von_Patienten

Er ist kein Thema, mit dem wir uns gern beschäftigen. Aber mit dem Tod wird jeder Mensch früher oder später konfrontiert. In der Pflegebranche gehört es quasi zum Berufsbild mit dem Tod von Patienten umzugehen. Das heißt aber nicht, dass man nicht auch menschlich davon betroffen sein kann. Wie man damit umgehen kann, behandelt dieser Artikel.

Es gibt keine „falschen“ Reaktionen

Die vielleicht wichtigste Botschaft zuerst: Jeder Mensch geht mit dem Tod anders um. Die Reaktionen, die Pflegekräfte auf den Tod von Patienten haben, können völlig unterschiedlich ausfallen. Und das ist völlig normal. Auch normal ist es, dass man von den eigenen Gefühlen in solchen Fällen überrascht sein kann. Sowohl wenn sie stärker sind als man erwartet hätte, aber auch, wenn sie unerwartet auszubleiben scheinen. Oder etwa, wenn man zunächst nahezu gar nichts empfindet und es einen später fast überwältigt. Es gibt keine falschen Reaktionen, denn an den Tod kann sich niemand je wirklich gewöhnen.

KOPF UND HERZ SIND NICHT GLEICH SCHNELL

Viele Pflegerinnen und Pfleger berichten davon, dass sie zunächst, wenn sie mit dem Tod von Patienten konfrontiert sind, dies zunächst hauptsächlich rational verarbeiten: Sie denken Gedanken im Sinne von „Das ist aber traurig“.

Wirklich empfunden werden diese Emotionen jedoch in diesem Moment nicht. Das liegt vor allem daran, dass mal der Kopf und mal das Herz schneller reagieren, selten jedoch beides zugleich.

Vor allem ist das auch ein Schutzmechanismus, um mit belastenden Situationen besser umzugehen. Pflegekräfte und generell Menschen, die in der Gesundheitsbranche arbeiten, werden öfter mit der Sterblichkeit konfrontiert und bauen diese emotionalen Schutzmechanismen entsprechend häufig stärker aus als andere.

PROFESSIONELLE DISTANZ UND IHRE GRENZEN

Professionelle Distanz hin- oder her: In der Pflege hat man es immer mit Menschen zu tun. Bei den meisten Patienten fällt es mit zunehmender Übung meist immer leichter, professionelle Distanz zu halten (Was natürlich nicht heißt, dass kein freundliches Verhältnis zustande kommen sollte). Es gibt aber immer wieder Patienten, bei denen direkt ein besonderes Verhältnis besteht. Das hat seine Vor- und seine Nachteile: Natürlich ist die Pflege bei Menschen, die einem bis hin zu einem freundschaftlichen Verhältnis persönlich sympathisch sind, etwas, das im Alltag glücklicher macht. Aber mit dieser Vertrautheit leidet natürlich auch des Öfteren die professionelle Distanz zwischen Pflegekraft und Patient. Gerade in der Palliativversorgung kann das emotional aufwühlen, selbst wenn man weiß, wie der gemeinsame Weg enden wird und Zeit hat, sich vorzubereiten.

WICHTIG IST, DARÜBER ZU REDEN

Oben heißt es, es gibt keine falschen Reaktionen auf den Tod von Patienten. Was es aber geben kann, ist ein falscher Umgang geben mit ebendiesen Reaktionen. Ein Beispiel dafür ist es, emotionale Betroffenheit in sich hineinzufressen. Daher sollte man darüber sprechen: Gerade Kollegen haben häufig schon ähnliche Erfahrungen gemacht und bieten gute Ansprechpartner, wenn man einfach mal etwas loswerden muss.

So unterschiedlich die Reaktionen auf den Tod von Patienten von Mensch zu Mensch sind, so unterschiedlich sind auch die besten Möglichkeiten, damit umzugehen. Was einem selbst am besten hilft, muss jeder für sich herausfinden. Manchen Menschen hilft Sport, manche benötigen eine Art Ritual, durch das sie auf ganz persönliche Weise für sich von der oder dem Verstorbenen Abschied nehmen. Andere wiederum brauchen einfach nur Ruhe und etwas Zeit. Was aber auch immer für einen selbst das Richtige ist: Der Tod eines Patienten ist immer belastend. Aber gerade dieses Belastet-Sein zeigt doch, dass man bei aller Professionalität sein Menschsein nicht aus den Augen verloren hat. Und das ist aller Traurigkeit zum Trotz etwas Gutes.