Wohl fast jede Pflegekraft kennt ihn oder sie – sei es aus eigener Erfahrung oder Erzählungen, die in vielen Einrichtungen geradezu Mythen und Sagen gleichen: Schwierige Patienten. Wir zeigen, wie man mit besonders schweren Fällen umgeht.

Was ist dran?

Zunächst sollte etwas klar gesagt werden. Ja: Es gibt Patienten, mit denen kann man besser als mit anderen. Es gibt Patienten, die sind nicht einsichtig, dass etwas zu tun ist, verweigern Hilfe, wenn man sie anbietet und fordern sie dann zu den ungüngstigsten Zeitpunkten ein. Es gibt Patienten, die wirken egoistisch, machen Vorwürfe, oder werden mitunter sogar beleidigend und aggressiv. Und es gibt Patienten, die für Frust und Ärger und Gefühlen von Hilflosigkeit seitens des Pflegepersonals führen können. Und trotzdem: Den schlimmen Patienten an sich gibt es nicht. Es gibt nur Patienten mit bestimmten Eigenschaften und Verhaltensweisen, die in bestimmten Situationen als schlecht empfunden werden. Wichtig ist, die störenden Verhaltensweisen an sich negativ zu bewerten und nicht den Patienten als Ganzes. Denn gerne wird vergessen, dass auch schwierige Patienten Menschen sind. Und Menschen haben fast immer einen nachvollziehbaren Grund für ihr Verhalten.

Es ist fast nie so schlimm wie man denkt

Zu schlechten Erfahrungen gehört immer die Gesamtsituation. Ein negatives Erlebnis ergibt sich aus der Dynamik zwischen pflegebedürftiger Person und Pflegekraft in einer bestimmten Situation. Natürlich hat die pflegebedürftige Person viel Einfluss, aber Probleme ergeben sich stets aus einem Miteinander in einem Kontext, nie durch diese allein.

Heißt auch: Es ist nur so schlimm, weil man so denkt.

So kann es sein, dass ein bestimmtes Problem für eine andere Pflegekraft oder in einem anderen Umfeld gar nicht erst aufgetaucht wäre. Wer also meint einen besonders schwierigen Patienten zu haben: Vielleicht stimmt ja einfach die Chemie nicht. Das kommt mal vor und ist auch ganz normal. Es ist durchaus möglich, dass der schlimme Patient oder die schlimme Patientin gar nicht so schlimm ist, sondern einfach nur keine Sympathie besteht, ohne dass eine der beteiligten Parteien wirklich Schuld daran hat. Solche Dinge muss man akzeptieren und versuchen eine Lösung zu finden: Denn in solchen Fällen kann ein Problem auch allein schon dadurch entstehen, dass man mit einem Problem rechnet und es damit unwillentlich selbst herbeiführt.

Häufiger Grund für Probleme: Selbstwertgefühl

Viele schwierige Patienten handeln wie sie eben handeln, weil ihr Selbstwertgefühl in irgendeiner Weise eingeschränkt ist. Oft ist das verständlich: Sie werden aus einem Umfeld gerissen, das sie ihr Leben lang begleitet hat, oder können auf einmal Dinge nicht mehr tun, die sie geliebt haben. Frust ist da nachvollziehbar. Und das kann ganz gegensätzliche Effekte haben: Einige Menschen lehnen verschiedene Hilfestellungen deswegen ab, weil sie meinen, den Aufwand „nicht wert zu sein“. Sie wollen andere mit ihren Problemen nicht belasten, tun aber durch eben diese ablehnende Haltung genau das. Andere Menschen versuchen (meist unbewusst, manchmal aber auch gezielt) das eigene Selbstwertgefühl dadurch zu schützen, dass sie das von anderen Menschen angreifen. Solche Patienten sind oft beleidigend und ausfallend bis hin zu aggressiv. Doch so gegensätzlich das Verhalten ist, so ähnlich ist in beiden Fällen die Ursache. Darum sollte man in beiden Fällen zunächst versuchen, der Ursache für das niedrige Selbstwertgefühl auf den Grund zu gehen und Abhilfe zu schaffen. Sei es durch Förderung von Eigenständigkeit durch gezielte Maßnahmen oder einfach gute Worte und nicht-Eingehen auf Provokation.