Wenn die Angehörigen eines Patienten zu Besuch kommen, heißt für Pflegekräfte häufig: Es wird anstrengend. Im Pflegealltag oft als störend empfunden ist aber Verärgerung hier nie die Lösung: Viel wichtiger ist das nötige Verständnis.

Viel ist nur Klischee

Pflegekräfte kennen Sie: Angehörige, die „alles besser wissen“. „Sie kümmern sich nicht gut genug um meine Mutter“ oder „Was machen sie da? Das geht aber ganz anders!“ oder ähnliche Sätze fallen häufig. Aber tun sie das auch wirklich? Viele Klischees zu besonders nervigen Angehörigen sind zum Glück allermeist genau das: Nur Klischees. Angehörige sind am Wohlbefinden ihrer Verwandten und Freunde interessiert und wollen nur das Beste für Sie. Die meisten Verstehen zum Glück, dass es dem Pflegepersonal da genau so geht. Aber es gibt Ausnahmen. Angehörige die wirklich anstrengend werden. Wie kann man mit ihnen am besten umgehen?

Die Angehörigen verstehen lernen

Die Entscheidung ein Familienmitglied in die Pflege zu geben ist teilweise ein belastender und langwieriger Prozess. Es muss entschieden werden, in wie weit man selbst in der Lage ist, sich um die Pflege zu kümmern, oder ob man diese Arbeit in die Hände von Fremden geben muss. Dabei durchlaufen die Angehörigen eine Vielzahl von Emotionen: Trauer, Überforderung und Hilfslosigkeit sind dabei die ständigen Begleiter. Hinzu kommt der Druck von außen, z.B. aus der Nachbarschaft. In wie weit muss man sein persönliches Leben hintenanstellen? Bin ich eine schlechte Tochter/ein schlechter Sohn, wenn ich meine Eltern nicht selbst pflege? Dies führt unweigerlich zu Schuldgefühlen, die sich darin zeigen, dass die Angehörigen sich entweder zurückziehen oder anfangen für das Wohlergehen des Patienten zu kämpfen – oft mehr als nötig. Und dies kann in der Pflege zu Problemen führen, wenn sich die Angehörigen vergewissern möchten, dass sie um jeden Preis alles für den Patienten getan haben, was ihnen möglich ist.

Einen guten Umgang pflegen

Man sollte sich klar machen, dass selbst die anstrengendsten Angehörige dadurch keine schlechten Menschen sind, sondern sich um das Wohlergehen der Patienten Sorgen machen und gleichzeitig eine Hilflosigkeit spüren. Zuerst sollte man den Angehörigen neutral, vorurteilsfrei und tolerant gegenüber zu treten. Es ist sinnvoll, Angehörige nicht als „lästig“ zu sehen, sondern als ein Bestandteil der eigenen Arbeit. Und es ist wichtig die Kritik nicht zu sehr an sich heran zu lassen, sondern in einem ruhigen Moment zu versuchen, über die Kritikpunkte und die eigene Arbeit zu reflektieren.

Viel Kritik ist ungerechtfertigt, aber nicht jede

So ist man in der Lage heraus zu finden, welche Kritikpunkte sinnvoll sind und welche unsinnig erscheinen. In manchen Fällen ist es auch ratsam die Angehörigen in die Planungen einzubeziehen. Schließlich muss man nicht immer gegeneinander arbeiten, sondern man hat auch die Möglichkeit zur Teamarbeit. Dabei kann man die Angehörigen auf verschiedene Freizeitangebote hinweisen, an denen sie mit ihren pflegebedürftigen Verwandten teilnehmen können. Eine weitere Möglichkeit, um Probleme zu vermeiden, ist, dass man bereits vor dem Beginn der Pflege mit den Angehörigen klärt, welche Wünsche und Erwartungen sie haben. Außerdem kann man dabei unrealistische Forderungen seitens der Angehörigen ansprechen.

Gefühle offen thematisieren

Auch Pflegekräfte haben ihre Grenzen und können nur in einem bestimmten Rahmen ihre Dienste anbieten. In manchen Fällen ist es auch nicht verkehrt, die Gefühle und Emotionen der Angehörigen zu thematisieren und ihnen dabei beratend zur Seite stehen. Generell sollte man versuchen, manchmal den Blickwinkel zu wechseln: So können oft Situationen und Verhaltensweisen von Angehörigen und Patienten klarer werden. Doch es ist nicht immer möglich, die Situation in den Griff zu bekommen, egal wie sehr man sich bemüht. Man muss sich auch um sich selbst kümmern. Dies kann man gut durch kleine ruhige Momente machen, in denen man sich nur auf sich selbst fokussiert: Eine gute Tasse Kaffee oder „Dampf ablassen“ bei einem vertrauten Kollegen kann auch manchmal Wunder wirken.