seelische-belastung

In einigen Berufsgruppen, so auch in der Pflege, stehen Tätigkeiten im Vordergrund, die viel Empathie und Sensibilität erfordern. Durch das Behandeln und Pflegen kranker Menschen werden die Gefühle jedoch stark beansprucht. Diese Art der seelischen Belastung bleibt bei einigen Pflegekräften nicht ohne Folgen.

Die Gefühle sind Ursache von emotionalem Stress

Wer in der Pflege Tag für Tag mit kranken und sterbenden Menschen zu tun hat, muss auch mit den Gefühlen umgehen, die das mit sich bringt. Zwar werden Pflegekräfte darin geschult, wie sie mit emotional schwierigen Situationen in ihrem Berufsalltag umgehen müssen, doch kann man nur schwer seine eigenen Gefühle vollkommen verschließen.

Die Umstände und der Krankheitsverlauf bestimmter Patienten berühren manchmal mehr als andere und da gerade Pflegekräfte meist ein besonders empathisches Wesen haben, ist es nicht immer möglich sich auf Gefühlsebene völlig zu distanzieren.

Wenn ein liebgewonnener Patient stirbt oder ein junges Kind aufgrund von Krankheit dahinsiecht, geht das nahe und an die Substanz.

Zu einem ohnehin oft stressigen Arbeitsalltag kommt daher meist noch emotionaler Stress hinzu. Dieser wird häufig verdrängt oder Betroffene nehmen ihn an sich selbst nicht richtig wahr, daher finden die Emotionen kein Ventil und stauen sich an, bis man an seine Grenzen stößt und die seelische Belastung zu groß wird.

Folgen seelischer Belastung

Der Pflegeberuf zählt nicht unbedingt zu den Berufen, bei dem man schnell an eine Posttraumatische Belastungsstörung denkt. Dazu gehören eher Berufsgruppen wie Polizei, Soldaten oder Feuerwehr.

Doch eine Posttraumatische Belastungsstörung, kurz PTBS, kann auch unter Pflegekräften vorkommen.

Ein nicht aufgearbeitetes, seelisch belastendes Ereignis aus dem Pflegealltag, kann der betroffenen Pflegekraft noch lange danach Probleme bereiten und im schlimmsten Fall dafür verantwortlich sein, dass der Beruf – zumindest vorrübergehend – nicht mehr ausgeübt werden kann, weil bestimmte Situationen immer wieder das Trauma im Kopf heraufbeschwören. Dies äußert sich beispielsweise durch plötzliche, unkontrollierte Tränenausbrüche. Oder bestimmte Sinneseindrücke wie Gerüche lassen das Ereignis wieder im Geiste des Betroffenen auferstehen.

In diesem Zusammenhang kann es zu Angstzuständen und Schockreaktionen kommen. Orte oder Situationen, die an das traumatische Erlebnis erinnern, werden unbewusst gemieden, wie zum Beispiel das Zimmer eines bestimmten Patienten. Fällt dieses Verhalten bei einem Kollegen auf, sollte dies als Warnzeichen verstanden werden. Jedoch variieren die Symptome von Person zu Person und es ist nicht immer einfach für Ärzte eine eindeutige Diagnose zu stellen, da bestimmte Symptome von PTBS, wie beispielsweise Depressionen, mit anderen Krankheitsbildern übereinstimmen können.

In anderen Berufsgruppen, wie zum Beispiel bei der Polizei, werden traumatische Ereignisse mit Kollegen im Team analysiert und die Gefühle ausgetauscht. Durch diese Gespräche können die Erlebnisse aufgearbeitet und überwunden werden, sodass langfristige Folgen deutlich verringert werden. Auch für Pflegekräfte ist dies eine sinnvolle Bewältigungsmethode und kann die seelische Belastung mindern.