Pflegekammer

Auch NRW soll eine Pflegekammer bekommen. Doch was ist eigentlich eine Pflegekammer? Wie entsteht sie, was macht sie und warum sollte es eine Pflegekammer geben?

Was ist eine Pflegekammer?

Juristisch ausgedrückt ist eine Pflegekammer eine Berufskammer in der Form einer Körperschaft des öffentlichen Rechts. Es werden in diesem Zusammenhang hoheitliche Aufgaben vom Staat zur Selbstverwaltung der Pflegekammer und damit der Berufsgruppe übergeben. Bei hoheitlichen Aufgaben handelt es sich um Aufgaben, die normalerweise der Staat erfüllen muss: die öffentliche Sicherheit gewährleisten, das Ausstellen von Personalausweisen usw. Die Pflegekammer übernimmt nun selbst mehrere hoheitliche Aufgaben, z.B. den Schutz der Bevölkerung vor schlechter Pflege.

Die Pflegekammer als Vertretung für staatliche Aufgaben

Die Pflegekammer soll die Interessen der Gesellschaft bzw. der Bevölkerung stellvertretend für den Staat wahrnehmen. Damit wäre sie vergleichbar mit den Kammern für Heilberufe, z.B. der Ärztekammer oder Apothekenkammer. Die Pflegekammer basiert auf einer Pflichtmitgliedschaft von Angehörigen der verschiedenen Gesundheits- und Pflegeberufe.

Wie entsteht eine Kammer?

Gegründet wird die Pflegekammer, indem sich alle Pflegefachpersonen mit staatlich anerkannter Ausbildung zusammenschließen. Dabei ist die Gründung, wie auch bei anderen Berufskammern, nur auf Länderebene möglich.

Die Berufsangehörigen werden zentral registriert. Die Registrierung ist verpflichtend, das bedeutet, dass ohne eine Registrierung der Beruf nicht ausgeübt werden darf. Dabei werden die Daten gespeichert, die die Pflegekammer zur Erfüllung ihrer Aufgaben braucht.

Wer ist Mitglied in einer Pflegekammer?

Zu den Mitgliedern zählen:

  • Gesundheits- und Krankenpfleger/-innen
  • Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger/-innen
  • Altenpfleger/-innen

Wie finanziert sich die Pflegekammer?

Die Pflegekammer finanziert sich durch die Mitgliedsbeiträge. Die Festlegung der Höhe des Beitrags regelt die Beitragszahlung. Dabei richtet der Beitrag sich zumeist nach der Höhe des Einkommens. Es ist jedoch auch möglich, dass jeder eine monatliche Pauschale bezahlt. Dies hängt von der Regelung der jeweiligen Pflegekammer des einzelnen Bundeslandes ab.

Welche Aufgaben hat die Pflegekammer?

  • Die Registrierung der Berufsangehörigen.
  • Das Erlassen einer Berufsordnung. Diese regelt die Rechte und die Pflichten im Beruf. Sie soll darüber hinaus berufswürdiges Verhalten fördern und berufsunwürdiges Verhalten verhindern.
  • Sie vergibt Lizenzen und Zertifikate, z.B. für Bildungsangebote.
  • Sie regelt Fort- und Weiterbildungen und erlässt eine Weiterbildungsordnung.
  • Sie erstellt Gutachten und fungiert als Schiedsstelle.
  • Bei der Bestimmung und Weiterentwicklung fachlicher Standards und Qualitätskriterien wirkt die Pflegekammer mit.
  • Sie berät den Gesetzgeber und die Landesregierung bei Gesetzes- und Verordnungsverfahren

Warum überhaupt eine Pflegekammer?

In der Öffentlichkeit und in der Politik werden verkammerte Berufe stärker wahrgenommen. Dadurch wird die Wertschätzung des Berufs erhöht. Überdies macht die Pflegekammer eine pflegerische Expertise in der Politikberatung und in der Gesetzgebung verfügbar. Außerdem soll die Verkammerung der Pflegeberufe zu einer Stiftung der beruflichen Identität führen.

Pflegekammer, Berufsverbände, Gewerkschaften, Trägerverbände und Pflegeverbände – wer macht jetzt eigentlich was?

Pflegekammer: Im Mittelpunkt steht hier die Qualität der pflegerischen Versorgung bei den Menschen im jeweiligen Bundesland. Sie besitzen ein gesetzliches Mandat, um Berufsordnungen zu erlassen, die Berufsangehörigen zu registrieren und Weiterbildungen zu regeln.

Berufsverbände: Sie vertreten die Interessen der Berufsangehörigen – bezogen auf die Fachlichkeit und die Rahmenbedingungen der pflegerischen Arbeit. Es werden neue pflegerische Konzepte entwickelt und erprobt. Außerdem setzen sie sich für eine qualifizierte Ausbildung ein. Sie bieten eine fachliche und arbeitsrechtliche Beratung an und geben Fachzeitschriften heraus.

Gewerkschaften: Für angemessene Gehälter und Arbeitsbedingungen, z.B. die Arbeitszeit, setzen sich die Gewerkschaften ein. Sie führen die Verhandlungen mit den Arbeitgebern und führen gegebenenfalls Arbeitskämpfe durch.

Trägerverbände: Diese übernehmen die Aufgabe, mit den Kostenträgern über die Vergütung der Leistungen zu verhandeln.

Pflegeverbände: Die Pflegeverbände sind Arbeitgeberverbände und setzen sich für die Interessen der Betriebe und deren Inhaber ein.