Die Dokumentation ist bei Pflegekräften ein unbeliebtes Thema, jedoch ein wichtiger Bestandteil des Pflegeberufes. Wie hat sich der Bürokratieaufwand bis zum heutigen Tag verändert?

Das Strukturmodell in der Pflege

Die Pflegedokumentation ist eine der wichtigsten Grundlagen für eine sichere und bedarfsgerechte Pflege. Wegen der Pflege-Qualitätsprüfungen haben Pflegeeinrichtungen die Dokumentation ausgeweitet, damit sie allen Anforderungen entsprechen. Dies führte jedoch zu einem Dokumentationsumfang, der sich im Pflegealltag deutlich bemerkbar machte. Es wurde immer mehr Zeit mit der Dokumentation verbracht, was zu Lasten der eigentlichen Pflege ging.

Der Dokumentationswahn wuchs

Anfang des Jahres 2015 wurde von Karl-Josef Laumann, dem Pflegebevollmächtigten der Bundesregierung, ein Projekt ins Leben gerufen, dass die stationäre und ambulante Pflege in ihrer Pflegedokumentation unterstützen sollte. Bis zum Ende des Jahres hat es mehr als ein Viertel der stationären Pflegeeinrichtung für einen Umstieg auf eine einfachere Pflegedokumentation gewinnen können. Mittlerweile wurden auch Lösungen für die Kurzzeitpflege und die teilstationäre Pflege vorgestellt, die zu einer Entbürokratisierung der Pflege geführt haben.

Verschiedene Ansätze

Das sogenannte Beikirch-Modell hat dafür gesorgt, dass Pflegeeinrichtungen nur dann dokumentieren müssen, wenn die Pflege von der individuellen grundpflegerischen Regelversorgung und Betreuung abweichen. Über die strukturierte Informationssammlung (SIS) haben Pflegekräfte die Möglichkeit an Vorlagen für die abweichenden Pflegefälle zu kommen, sodass eine schnellere Arbeitsweise ermöglicht wird. Die SiS ist nach den Themenfeldern des neuen Begutachtungsasessments angelehnt. Auch hier wird mehr als Abweichungen von der Norm während des Pflegeprozesses wertgelegt, als auf genaue Aufzählungen der erbrachten Leistungen. Grundlegend soll die Dokumentation auf die wesentlichen Aspekte reduziert werden und gleichzeitig noch so umfassend sein, dass sie von den Qualitätsprüfungen akzeptiert werden.

Profitieren Pflegekräfte von dem Modell?

Gerhard Herrmann, Abteilungsleiter im Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales NRW, antwortete auf die Frage in wie weit die Pflegekräfte wirklich von der Entbürokratisierung in der Pflege unterstützt werden: Er sagte, dass es auf jeden Fall positive Auswirkungen auf der Seite der Pflegenden habe, da sie so mehr Zeit für das hätten, worauf sie sich konzentrieren möchten.

Weniger schreiben, mehr pflegen

Besonders die Pflegemöglichkeit direkt mit den Menschen werde so verbessert. Dabei könnten die Pflegekräfte am gesamten Pflegeprozess teilhaben und müssten sich nicht nur auf die wichtigsten Pflegetätigkeiten am Bett beschränken. Dies könne zu einer erhöhten Arbeitszufriedenheit führen. So trage die Verbindung von mehr Zeit und Arbeitszufriedenheit zu einer deutlichen Verbesserung der Qualität in der Versorgung der Patienten oder Bewohner der Pflegeeinrichtungen bei.

Nicht Sagen; Machen.

Die Herausforderung aller neuen Systems hängt jedoch von der Umsetzung durch die Pflegekräfte ab. Die Neuerungen erfordern ein Umdenken der Pflegenden in ihren alten Gewohnheiten und dies kann zu Unsicherheiten im Beruf führen – Kurzfristig zumindest. Gerade in diesen Situationen ist Unterstützung notwendig. Diese kann durch Informationsmaterial, Erklärungen, Diskussionen und Fortbildungen gegeben werden. Auch das Zusammenspiel zwischen Ärzten und Pflegenden scheint sich seit der Einführung des Strukturmodells verbessert haben. Durch die Vorgaben und die strukturierte Vorgangsweise kommt es zu einem größeren gemeinsamen Verständnis für die einzelnen Pflegeprozesse. Dies schafft ein Vertrauen und eine bessere Zusammenarbeit, was nicht nur Vorteile für die Pflegekräfte, sondern auch die betroffenen Pflegebedürftigen bringt.