Laut Studien ist die Hälfte der Deutschen zu dick und jeder fünfte fettleibig – Tendenz steigend. Bei Senioren über 70 liegt der Anteil der Übergewichtigen sogar bei rund 80 Prozent. Dies stellt auch die Pflege vor einige Herausforderungen.

Was ist Adipositas

Fettleibigkeit wird in der Fachsprache „Adipositas“ genannt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert Adipositas nach dem sogenannten „Body-Maß-Index“ (BMI). Der BMI ist ein Maßstab zur ungefähren Bewertung des Körpergewichts und lässt sich ganz einfach berechnen: Körpergewicht in Kilogramm geteilt durch Körpergröße in Meter zum Quadrat. Für jemanden, der 1,70m groß ist und 70kg wiegt, sähe die Rechnung dann so aus: 70kg : (1,70m x 1,70m) = 24,2. Bei einem BMI über 25 spricht die WHO von Übergewicht, ab 30 von Adipositas.

Die zwei häufigsten Gründe für Übergewicht und Fettleibigkeit sind Fehlernährung auf der einen, und Bewegungsmangel auf der anderen Seite. Genetische Veranlagung, Medikamente, Erkrankungen und Stress spielen ebenfalls eine Rolle und können Adipositas begünstigen.

Folgen von Adipositas

Adipositas sorgt bei Betroffenen nicht nur für starke Bewegungseinschränkungen, sondern bringt auch ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfälle, Bluthochdruck, Diabetes und Gelenkschäden mit sich. Weitere Einschränkungen sind Atmungsschwierigkeiten und Wundheilungsstörungen. In manchen Fällen vereinen sich einige dieser Symptome zu einem komplexen Krankheitsbild – das sogenannte „metabolische Syndrom“.

Adipositas ist sowohl eine körperliche, als auch psychische Belastung.

Insbesondere im Pflegebereich gibt es außerdem die Fälle, in denen Adipositas eine Folge der Pflegebedürftigkeit ist. Wenn durch einen Unfall oder eine Krankheit eine ausreichende Bewegung nicht mehr gewährleistet ist, kann es, zum Teil bedingt durch weitere Faktoren wie die oben genannten, zu einer starken Gewichtszunahme kommen.

Zusätzlich zu den körperlichen Belastungen haben adipöse Menschen häufig mit psychischen Folgeerscheinungen zu kämpfen. Das hängt sowohl mit äußeren Faktoren wie die Konfrontation mit Vorurteilen, als auch inneren Faktoren wie Unsicherheit und Versagensgefühlen zusammen. Folgen können sein: Ängste und Depressionen, soziale Isolation, geringes Selbstwertgefühl sowie zwanghaftes Verhalten.

Herausforderungen für die Pflege

Für die Pflege bedeutet der steigende Anteil von pflegebedürftigen, adipösen Menschen, dass sich Abläufe anpassen müssen. Routine-Aufgaben wie Hygiene, Mobilisierung und Umlagerung brauchen mehr Zeit. Hinzu kommt der Einsatz von speziellen Hilfsmitteln wie Umlagerungstücher oder Beinschlaufen für hohes Gewicht, oder auch der Einsatz einer zusätzlichen Hilfskraft. Doch nicht nur die Hilfsmittel, auch die meisten Alltagsgegenstände wie Stühle und Betten sind standardmäßig für eine Belastung bis maximal ca. 100 Kilogramm ausgelegt. Ob es nun also das Bett, der Rollstuhl, oder die Waage ist: Hier werden entsprechende Sonderanfertigungen benötigt.

Gute Pflege behandelt Menschen mit Kopf, Herz und Hand.

Zum Teil gibt es in den Pflegeeinrichtungen bereits Fachabteilungen, oder spezielle Barrierestationen, die in allgemeine oder spezialisierte Pflegebereiche integriert sind. Diese verfügen sowohl über die technischen Mittel und die Pflegekräfte sind außerdem im Umgang mit adipösen Menschen geschult. Neben den organisatorischen und technischen Herausforderungen gilt auch hier: Für gute Pflege müssen Kopf, Herz und Hand zusammenwirken. Eine gewisse Empathie für jeden Patienten und jede Patientin ist die Grundlage dafür.

Entsprechend gilt es, nicht nur die Sicherheit und den Komfort von adipösen Pflegebedürftigen zu gewährleisten, sondern ihnen generell mit Respekt zu begegnen und sie mit Würde zu behandeln. Dafür müssen gegebenenfalls zunächst eigene Vorurteile erkannt und abgebaut werden. Je nach Möglichkeit und Pflege- und Therapiebedarf des oder der Pflegebedürftigen, kann man ihm/ihr natürlich auch eine Verhaltensänderung nahelegen – aber dies sollte immer auf Augenhöhe geschehen.