nein-sagen

Fast alle Menschen haben das Bedürfnis als nette und freundliche Person wahrgenommen zu werden und sich hilfsbereit zu zeigen. Die anerzogene Höflichkeit stützt dieses „Nett sein“. Doch ein Großteil ist vor allem aus einem Harmoniebedürfnis heraus nett und weil er Konflikte vermeiden möchte. Immer nett zu sein und „Ja“ zu sagen scheint der einfachste Weg, um gemocht zu werden und Auseinandersetzungen aus dem Weg zu gehen.

Doch das „Nett sein“ zahlt sich auf lange Sicht nicht immer aus. Ein gesundes Maß an Höflichkeit sollte zwar jeder an den Tag legen, aber es ist auch wichtig gelegentlich „Nein“ zu sagen und mal nicht nett zu sein. Auf den ersten Blick erscheint dies schwer und unangenehm, für manche mehr als für andere.

Folgende Gründe sprechen jedoch ganz klar dafür, warum es – gerade auch im Berufsleben – wichtig ist, hin und wieder der Nettigkeit den Rücken zu kehren:

1. Schutz vor Ausnutzung

Wer immer nett ist, ist leider schnell der Dumme.

Ja-Sager werden auf Dauer gerne ausgenutzt und zugleich irgendwann nicht mehr ernst genommen, während immer mehr lästige Aufgaben auf die Person abgewälzt werden. Wenn Kollege X schon wieder um einen Gefallen bittet, ist es keine Schande auch mal abzulehnen, wenn man keine Lust oder Zeit hat. Auf lange Sicht gewinnt man dadurch ein viel gesünderes Verhältnis zu seinen Kollegen.

2. Respekt

Wer Konflikte nicht scheut und sich auch unangenehmen Auseinandersetzungen stellt, um konstruktiv mit Problemen umzugehen, erlangt dadurch viel eher den Respekt seiner Kollegen, als durch ständige Nettigkeit. Eine eigene Meinung zu haben und diese auch zu vertreten, selbst  wenn man damit einmal aneckt, sorgt für Anerkennung.

3. Schuldgefühle ablegen

Wer häufiger mal „Nein“ sagt, statt nett zu sein und zu allem zu nicken, lernt mit der Zeit sich von Schuldgefühlen zu befreien. Denn die negativen Konsequenzen, die wir durch das Nein sagen fürchten, sind meist unbegründet. Je häufiger man die Erfahrung macht, dass ein Nein nicht den Weltuntergang bedeutet, desto besser gelingt es Schuldgefühle in dem Zusammenhang nach und nach abzulegen und sich irgendwann ganz davon zu befreien.

4. Weniger Frust

Wer war nicht schon mal in einer Situation, in der sich jemand anderes unmöglich verhielt, Unverschämtheiten äußerte oder mit Anschuldigungen um sich warf? In diesem Fall den Mund zu halten und das Ganze einfach auszusitzen, mag zunächst der einfachste Weg sein damit umzugehen. Aber je öfter man sich dafür entscheidet bei derartigen  Konfrontationen nicht zu reagieren und nett zu sein, um den Frieden zu wahren, desto größer wird mit der Zeit auch der Frust. Wer stattdessen den Mund aufmacht und eine Grenze setzt, indem er dem Gegenüber zu verstehen gibt, dass er sich unangebracht verhält, kann seinem Ärger Luft machen und verhindert, dass Frust entsteht.

5. Selbstwert

Sich den Wert der eigenen Meinung und eigener Bedürfnisse bewusst zu machen und anderen gegenüber zu vertreten, steigert den Selbstwert. Das wird zwar von anderen nicht immer als „nett“ empfunden, sorgt aber dafür, dass man mehr man selbst sein kann und ein gesundes Selbstbewusstsein entwickelt. Das wiederum wappnet für andere Situationen, in denen es wichtig ist für sich selbst einzustehen, anstatt nett und nachgiebig zu sein.