Die Begriffe HIV und Aids erwecken nach wie vor bei vielen Menschen Angst. Immer mehr HIV-Infizierte Menschen kommen auch in Alten- und Pflegeheimen unter. Trotzdem ist die Angst für Pflegekräfte unbegründet.

Angst als Erbe

In den 1980er Jahren war die Angst vor einer HIV-Infektion groß. Die Krankheit war gerade erst entdeckt und kaum erforscht und viele Menschen starben an ihren Folgen. Seitdem hat sich in der Forschung einiges getan und rein objektiv könnte man sagen hat die Krankheit ihren Schrecken weitestgehend verloren. Denn auch wenn moderne Medikamente HIV nach wie vor nicht heilen können: Menschen mit HIV haben dank sogenannter antiretroviraler Medizin heutzutage eine ganz normale Lebenserwartung ohne wirkliche Einschränkung ihrer Lebensqualität. Doch ein Teil der Angst hat es in die Gegenwart geschafft. Gewissermaßen als Erbe der 80er und frühen 90er reagieren Menschen nach wie vor häufig sehr ablehnend, wenn sie erfahren, jemand habe HIV. Denn es ist nach wie vor oft ein Tabuthema und das Wissen um die Krankheit entsprechend häufig sehr lückenhaft.

Ansteckungsgefahr: Sehr gering

Die Angst vor HIV in den 80ern ist vor allem deswegen nachvollziehbar, weil noch nicht bekannt war, wie und wo man sich mit der Krankheit ansteckt. Menschen mit HIV wurden daher gemieden, z.B. nur mit Wegwerfgeschirr verpflegt, Mediziner und Pflegekräfte begegneten ihnen häufig nur mit mehreren Paar Handschuhen. Heute weiß man: Das war nicht nur unnötig als Schutzmaßnahme vor HIV, es hat auch die betroffenen Menschen ausgegrenzt und ihre Situation damit unnötig verschlimmert. Denn im allgemeinen Zusammenleben besteht keine Ansteckungsgefahr. Auch in der Pflege bedarf es keiner Sondermaßnahmen: Wer die allgemeinen Richtlinien zur Hygiene einhält, hat absolut nichts zu befürchten. Im Gegenteil: Beispielsweise sind eine gesonderte Reinigung von Geschirr und Wäsche von HIV-Infizierten nicht nur unnütz, sondern sogar diskriminierend.

Ein mulmiges Gefühl bleibt

Heute weiß man: über Schweiß oder Speichel kann man sich nicht mit HIV anstecken. Selbst also, wenn der Patient einen anhustet oder anniest kann nichts passieren, dasselbe Geschirr und dieselbe Toilette benutzen sind kein Problem.

Wissen ist eins, Fühlen etwas anderes

Am schwierigsten ist wohl, dieses objektive Wissen auch subjektiv zu akzeptieren, denn selbst ein mulmiges Gefühl ist vollkommen unnötig. Die einzige Möglichkeit, sich in der Pflege anzustecken, ist vor allem bei chirurgischen Tätigkeiten denkbar. Doch auch hier ist das Risiko minimal: Denn, dass genug Erreger in offene Wunden oder an Schleimhäute gelangen, ist praktisch fast nur beim Geschlechtsverkehr oder dem gemeinsamen Verwenden von Spritzen möglich. Das größte Problem ist also wirklich, wenn man eine eingeprägte Furcht vor Menschen mit HIV hat. Sie ist objektiv irrational und sollte daher abgelegt werden. Aber auch in diesem Fall gilt leider: Eine Furcht ablegen ist gar nicht so leicht, so irrational sie auch sein mag. Hier hilft dann nur Zeit und Gewohnheit.

HIV ist heute eine Krankheit der Ausgrenzung

HIV-Infizierte haben heute sehr viel weniger unter der Krankheit selbst zu leiden und sehr viel mehr unter der Ausgrenzung, die sie in vielen Fällen nach wie vor erfahren. Selten wird diese Ausgrenzung bewusst von den Menschen in ihrer Umgebung vorgenommen, häufig geschieht es unbewusst. Denn die Klischees der tödlichen, unheilbaren Krankheit haben sich bis in die Gegenwart gehalten, während die Aufklärung zum Thema längst nicht so weit ist. Da immer mehr HIV-Infizierte Menschen zurzeit ein pflegebedürftiges Alter erreichen, wird der richtige Umgang mit ihnen umso wichtiger. Zum Glück ist der richtige Umgang mit ihnen sehr einfach zu erlernen. Denn man behandelt sie einfach ganz normal.