Mindestens einmal im Jahr steht es an: Das Personalgespräch mit dem Chef. Vielen Pflegekräften sind diese Gespräche unangenehm, dabei bieten sie einzigartige Chancen.

Ein mulmiges Gefühl

Es ist vorgeschrieben, wird vorher angekündigt, es folgt festen Formen und Regeln und überrascht doch so manches Mal, wenn es im Kalender plötzlich näher rückt: Das Mitarbeitergespräch mit dem Chef. Unabhängig davon, wie gut die Chemie zwischen Chefin oder Chef und einem selbst ist, die meisten Pflegekräfte gehen nach wie vor mit einem mulmigen Gefühl ins Gespräch. Oft ist dieses geprägt durch die Angst, sich schlecht zu präsentieren, etwas „Dummes“ zu sagen und allgemein einen schlechten Eindruck zu hinterlassen. Man möchte auch nicht die eigenen Qualitäten und Leistungen ungewürdigt lassen und fühlt sich daher vor solchen Gesprächen manchmal unter Druck gesetzt.

Der direkte Weg…

Dabei sind solche Gespräche jedoch für viele Pflegerinnen und Pfleger einer der besten Wege direkt selbst Einfluss zu nehmen. Das Gespräch ist schließlich vorzeitig geplant, beide Parteien können sich zwangsläufig Zeit füreinander nehmen und unter vier Augen über das sprechen, was wichtig ist.

Das heißt aber auch: Vorbereiten!

Wenn bestimmte Stärken gut präsentiert werden sollen, kann es helfen, Fallbeispiele parat zu haben. Denn seine Stärken gut zu präsentieren ist wichtig und vermittelt Selbstbewusstsein. Was allerdings ebenfalls Selbstbewusstsein vermittelt, ist auch zu seinen Schwächen zu stehen. Man sollte wissen, wo man sich noch verbessern kann und dazu stehen.

…aber keine Einbahnstraße

Mitarbeitergespräche sollten keine Befragung sein. Sie können sich aber zu einer entwickeln, wenn sie lediglich daraus bestehen, dass der Chef, quasi nach Liste, bestimmte vorgegebene Punkte abhandelt. Diese Situation lässt sich dadurch vermeiden, dass man als Pflegekraft von sich aus eigene Punkte anspricht. Je nach Persönlichkeit und Situation kann das durchaus Überwindung kosten. Aber gut vorbereitet zeigt es sowohl Interesse, Engagement als auch Professionalität.

Ein Dialog entsteht nur dann, wenn mindestens zwei sich beteiligen.

Es kann (und sollte!) auch kein Blatt vor den Mund genommen werden, wenn einen als Pflegekraft etwas stört. Doch Vorsicht! Immer auf den professionellen Ton achten. Denn wenn man über negative Dinge spricht, kann man schnell Gefahr laufen, es zu emotional zu beschreiben. Also nicht „über Probleme meckern“, sondern sie objektiv beschreiben und falls möglich auch Verbesserungsvorschläge geben. Das hinterlässt einen guten Eindruck und kann helfen, diese Probleme in Zukunft zu lösen.

Feedback geben, Bedürfnisse nennen

Das Mitarbeitergespräch kann genutzt werden, um mit dem oder der Vorgesetzten über den eigenen Karriereweg zu sprechen. Wer also Fortbildungen oder andere Möglichkeiten weiß, sich persönlich weiterzubilden, hat hier eine gute Möglichkeit, diese vorzuschlagen. Auch hier ist Vorbereitung wichtig – Schließlich möchte man auch überzeugend sein, dass diese Fortbildungen wichtig und sinnvoll sind. Nicht zuletzt ist Feedback für solche Gespräche wichtig. Manchmal muss man dafür aber gezielt um Rückmeldung bitten und sollte sich auch nicht scheuen, dies zu tun. Umgekehrt sollte aber auch Rückmeldung gegenüber den Vorgesetzten kein Tabu sein. Immer geht es dabei um den richtigen Umgangston: Ob die Chefin oder der Chef eher freundschaftlich oder eher distanziert auftritt: Professionalität sollte in beiden Fällen immer mit an erster Stelle stehen. Richtig vorbereitet wird das jährliche Mitarbeitergespräch mit dem Chef so von der lästigen Pflicht zur einzigartigen Gelegenheit.