Kreativität ist wichtig, und zwar in jedem Lebensalter. Warum eine Schere auch den Verstand scharfhalten kann, erklärt dieser Artikel.

Basteln für die Patientenaktivierung: Woher kommt es?

Pflege, das umfasst natürlich die medizinische Behandlung und Sorgetragen für Hygiene und Ernährung der Patienten. Aber dort hört sie nicht auf. Denn all diese Maßnahmen sind dafür da um pflegebedürftigen Menschen mehr Lebensqualität zu ermöglichen. Und dazu gehört eine wichtige weitere Sache: Die Chance sich kreativ zu entfalten. Basteln bietet hierfür gut durchführbare und spaßige Möglichkeiten. Die Patientenaktivierung durch Basteln ist eine Technik, die aus der Ergotherapie kommt. Durch das kreative Arbeiten können die Pflegebedürftigen für einen Moment ihre Krankheiten und Probleme vergessen und produktiv etwas erschaffen. Die „aktivierende Pflege“ wurde von der Bundesregierung im Sozialgesetzbuch 11 mehrfach gesetzlich vorgeschrieben. (§2;§11 SGBXI) Basteln hat bei vielen Menschen älterer Generationen Tradition: Denn im Grunde ist es nichts anderes als Handwerk.

Immer auf Trab

Natürlich ist die aktivierende Pflege zeitaufwendiger und mühsamer als eine reine Versorgungspflege, doch langfristig lohnt sich der Mehraufwand. Eine aktivierende Pflege gibt den Patienten die Hilfe zur Selbsthilfe, um sie in möglichst vielen Bereichen des Lebens zum eigenen Handeln zu bekommen. Auch alltägliche Bewegungsabläufe können so wieder möglich gemacht werden. Grundprinzip der Aktivierenden Pflege:

„Wer rastet, der rostet“.

Das Basteln ist nicht nur eine reine Beschäftigungstherapie, sondern liefert den Patienten einen praktischen Nutzen. Auf unterhaltsame und zwanglose Weise können feinere Bewegungsabläufe trainiert und gefördert werden. Neben dem Tastsinn kann auch der Geruchssinn angesprochen werden, z.B. wenn mit natürlichen Materialien gearbeitet wird. Besonders in der Pflege von Menschen mit Demenz kann dies ein positives Wohlgefühl entstehen lassen. Auch Patienten mit Depressionen können aus der kreativen Arbeit profitieren. Sie haben die Chance sich selbst auszudrücken und in ihrer Freizeit einer Aktivität nachgehen, die ihnen Spaß macht. Generell werden Pflegebedürftige durch das Basteln selbstständiger und werden somit für den Alltag fit gemacht. Und nicht zuletzt: Basteln macht Spaß. Und, so komisch das auch klingen mag: Glückliche Menschen pflegen sich besser.

Das gibt es zu beachten

Basteln macht Spaß, aber damit es auch optimal das Prinzip der aktivierenden Pflege fördert, gibt es ein paar Aspekte zu beachten:

  1. Überforderung vermeiden

Es steht der Spaß im Vordergrund. Was man bastelt, sollte also so gewählt sein, dass es zwar für alle ansprechend ist, aber nicht zu kompliziert. Das bezieht sich sowohl auf den Zeitaufwand als auch die motorischen Fähigkeiten, die nötig sind.

  1. Einen Verwendungszweck finden

Oben wurde bereits gesagt, dass Basteln Handwerk ist. Das heißt auch, dass nach Möglichkeit am Ende ein nützliches Werk herauskommen sollte. Meist handelt es sich dabei um dekorative Dinge. Aber wenn man etwas basteln kann, das sogar praktischen Nutzen bringt, fördert das natürlich zusätzlich die gefühlte Selbstständigkeit.

  1. Materialien:

Sind bereits die Ausgangsmaterialien schön, ist es oft auch das Endprodukt. Selbst dann, wenn man den Arbeitsanweisungen nicht mehr genau folgen kann, z.B. wenn man eine Schere nicht mehr richtig halten kann.

  1. Klare Anweisung

Die Arbeitsanweisungen sollten eindeutig, kurz und verständlich sein. Ausgedrucktes kann bei Patienten ohne Leseschwäche zusätzliche Sicherheit gaben. Außerdem ist es häufig ratsam, den nächsten Arbeitsschritt erst zu erklären, wenn der Vorherige bereits erledigt ist.

  1. Beeinträchtigung der Sinne

Besonders bei Menschen mit nachlassenden körperlichen Eigenschaften sollten man das Arbeitsmaterial auf die Zielgruppe anpassen. Zum Beispiel könnte man Linienvorgaben geben, an denen sich die Patienten entlangarbeiten können.

  1. Basteln mit Demenz

Menschen mit Demenz kann Basteln mit bekannten Materialien und bekannten Arbeitsabläufen, beispielsweise aus dem alten Beruf, Orientierung und Sicherheit geben. Außerdem hilft es, wenn man das Bastelangebot an den Jahreszeiten orientieren, damit die Pflegebedürftigen sich zeitlich orientieren können.