Pflegen, dokumentieren, weitermachen: Oft fehlt die Zeit für den Menschen hinter dem Patienten. Dabei kann diese Zeit einmal aufzubringen auf lange Sicht sogar welche sparen.

„Das Nötigste“: Was ist das?

Wenn Pflegekräfte sich um einen Menschen kümmern, sind es meist die objektiv messbaren Anforderungen, die sie als erstes beschäftigen: Welche gesundheitlichen Einschränkungen liegen vor? Wie lässt sich der Tagesablauf effektiv gestalten, um alle notwendigen Maßnahmen in einem angemessenen Zeitrahmen zu erfüllen? Die seelischen Lasten – gerade für Menschen, die gerade erst pflegebedürftig geworden sind – kommen dabei leider oft zu kurz. Dabei ist es gerade das Selbstwertgefühl, das nicht nur für den Patienten von höchster Bedeutung ist.

Wer eine positive Grundeinstellung hat, wird auch den Menschen in seiner Umgebung offener gegenübertreten.

Und für Pflegekräfte damit oft auch (man entschuldige die Wortwahl:) „pflegeleichter“ sein. Bei der Pflege zuhause ist es meist einfacher, das Gefühl der Selbstbestimmung zu erhalten: Die eigenen vier Wände helfen, dem gewohnten Alltagsrhythmus auch dann noch näher zu bleiben, wenn sich sonst viel ändert. Aber auch im Pflegeheim kann man gezielt das Selbstbewusstsein von Patienten stärken.

Lebensqualität vor Gesundheit

Wenn Pflegebedürftigkeit einsetzt, bei der ein Pflegedienst hinzugezogen wird, bzw. bei der die betroffene Person in eine stationäre Einrichtung umzieht, dann ist eine vollständige Genesung nur noch selten das Ziel. Natürlich geht eine Einschränkung der Gesundheit meist auch mit einer eingeschränkten Lebensqualität einher.

Aber: Lebensqualität ist Kopfsache.

Denn es gibt noch viele weitere Aspekte, die Lebensqualität ausmachen: Das soziale Umwelt und das damit verbundene Gefühl von Zugehörigkeit zum Beispiel. Oder die Fähigkeit sich selbst individuell zu entfalten. All das kann man beeinflussen. Manchmal muss man dafür mit Angehörigen sprechen und ihnen die Wichtigkeit dieser Tatsache bewusstmachen. Manchmal, gerade in Pflegeeinrichtungen, können Pflegekräfte helfen, indem sie die Bewohner dazu ermuntern, untereinander engere Kontakte zu knüpfen. Oft hilft dazu schon ein kleiner Schubs in die richtige Richtung. Wer Teil einer aktiven Gruppe ist, kann dadurch auch sein eigenes Selbstwertgefühl schnell verbessern. In der Gruppe Probleme zu lösen, das schafft Selbstbewusstsein. Anders als die Gesundheit lässt sich das Selbstwertgefühl also jederzeit steigern – Es gilt aber, für jeden die richtigen Möglichkeiten zu finden.

Selbstbestimmung ist das A und O – Auch bei Kleinigkeiten

Auch, wer körperlich nicht mehr zu allem fähig ist, hat immer noch Ansprüche, Wünsche und Hoffnungen. Im Pflegealltag kommt es oft dazu, dass bestimmte Prozesse Tag für Tag ablaufen und sich eine geradezu eiserne Routine einstellt. Es gibt pflegebedürftige Menschen, die spüren das und kommen dann kaum noch auf die Idee, eigene spezielle Wünsche zu äußern – Selbst dann, wenn es um Kleinigkeiten geht. Dann kann eine Kleinigkeit von Seiten der Pflegekraft wahre Wunder wirken: Einfach mal fragen. Natürlich kann man nicht jeden Wunsch von den Lippen ablesen, aber es gibt immer wieder Dinge, die schnell möglich sind und sich leicht realisieren lassen und dabei dem betroffenen Menschen das Gefühl geben: „Ich habe Einfluss“. Es kann schon viel bedeuten, wenn bei den Routineabläufen mal selbst bestimmt werden kann, was wann passiert, also in welcher Reihenfolge. Bereits solche Kleinigkeiten sind für die Selbstbestimmung und damit für das Selbstwertgefühl von pflegebedürftigen Menschen unheimlich wichtig. Und können so richtig umgesetzt den Pflegealltag nicht nur für sie, sondern auch für das pflegende Personal deutlich lockerer gestalten.