Das rhythmische Klackern von Stricknadeln, der Geruch von frischer Farbe auf der Leinwand, das Leuchten in den Augen beim Betrachten eines erschaffenen Werks – Kreativität ist mehr als ein reiner Zeitvertreib. Es ist ein Erlebnis, das die Sinne anspricht und das uns zufrieden und glücklich macht. Wie kann man diese positiven Effekte im Pflegealltag einsetzen?

Warum kreative Betätigung im Pflegealltag wichtig ist

Beim ganzheitlichen Pflege-Ansatz geht es darum, nicht nur die Grundpflege zu gewährleisten und Krankheiten zu behandeln, sondern Pflegebedürftige als Menschen zu betreuen. Das heißt, ihr Leben so normal und angenehm wie möglich zu gestalten, trotz der Pflegebedürftigkeit. Kreative Beschäftigung – ob im Gruppenangebot oder als Einzelbeschäftigung – ist ein Weg von vielen, wie das gelingen kann.

Der gezielte Einsatz von kreativer Betätigung ist eine Möglichkeit, die aus gutem Grund bereits vielfach eingesetzt wird. Berufsbereiche wie die Freizeitpädagogik und die Ergotherapie arbeiten ebenfalls mit diesem Grundgedanken; durch die individuelle handwerkliche Betätigung und eine sinnvolle Freizeitgestaltung ganzheitlich die Gesundheit von Menschen zu fördern.

Was Kreativität mit uns macht

Denn Kreativität ist mehr als eine bloße Beschäftigung zum Zeitvertreib oder ein Mittel gegen Langeweile. Die kreative Betätigung, das Erschaffen von etwas Neuem oder das Finden einer Lösung für ein (altes) Problem regen den Geist an und stärken das Selbstbewusstsein. Neue Perspektiven, die Beschäftigung mit sich selbst, sich selbst neu zu entdecken, die Konzentration und das Erlernen von etwas Neuem und Ungewohntem fordern heraus und wecken dadurch die Lebensgeister.

Kreativität ist ein schöpferischer Prozess, der heilsam ist und Würde (zurück)gibt.

Schöpferisch tätig zu sein fordert volle Konzentration – ohne zu überfordern, weil es auf einer emotionalen, nonverbalen Ebene anspricht. Diese Konzentration auf etwas Positives, auf den schöpferischen Prozess, lenkt außerdem ab und lässt für einen Moment düstere Gedanken und sogar Schmerzen vergessen. Die Arbeit mit den Händen und dem Geist verbindet zudem ganz nebenbei die linke und die rechte Gehirnhälfte, trainiert also das Gehirn und hält nachweislich den Geist fit.

Kreative Beschäftigung bietet die Möglichkeit, neue, eigene Ideen zu verwirklichen und durch Erfolgserlebnisse Selbstvertrauen zurückgewinnen. Denn sichtbare Ergebnisse machen stolz. Etwas selbst zu (er)schaffen, gibt einem Menschen Würde und man fühlt sich nützlich und wertvoll.

Möglichkeiten der individuellen Förderung

Welche konkreten Tätigkeiten dafür am besten infrage kommen, hängt von den individuellen Möglichkeiten einer Person ab. Allerdings kann kreative Betätigung gerade bei körperlichen oder geistigen Einschränkungen durch Krankheiten wie Demenz besonders viel bewirken. Die Aufgabe darf dann natürlich nicht überfordern und muss gegebenenfalls angepasst werden. Aber die Produktivität bewirkt Zufriedenheit und die Arbeit mit bekannten Materialien und bekannten Arbeitsabläufen weckt Erinnerungen.

Hier ergibt sich eine enge Verbindung mit der Biographiearbeit. Wer sein Leben lang künstlerisch aktiv war, kann das auch im Alter noch ausleben. Vielen Frauen ist das Arbeiten mit Wolle und Stoff noch sehr präsent. Und wer in seinem Beruf mit Holz gearbeitet hat, wird sich bei den bekannten Gerüchen daran erinnern. Die Menschen haben viel erlebt und freuen sich, wenn sich jemand dafür interessiert und das aufgreift. Andere wiederum entdecken die Dinge neu für sich und merken, was sie trotz ihrer Einschränkungen (er)schaffen können.

Was kann man also machen? Einige konkrete Vorschläge

1. Stricken und Nähen

Wie bereits erwähnt: Das Arbeiten mit Wolle und Stoff, also Stricken und Nähen. Diese repetitive Handarbeit entspannt und kann auch in hohem Alter noch erlernt werden. Außerdem gibt es viele Möglichkeiten, den „Schwierigkeitsgrad“ je nach Möglichkeiten der Patienten anzupassen. Vom einfachen Schal bis zum Strickpulli mit Zopfmuster ist vieles möglich.

2. Basteln

Das klassische „Basteln“ mit Schere, Kleber und Papier. In Büchern und im Internet gibt es zahlreiche Ideen für entsprechende Bastelprojekte von der einfachen Collage bis zum Mobile. Hier darf man auch ruhig etwas kreativer mit dem Material werden, zum Beispiel aus Alltagsgegenständen oder Naturmaterialien etwas Dekoratives basteln. Genauso ist es denkbar, Karten zu gestalten und diese für Geburtstage, Hochzeiten und andere Anlässe im Bekannten- und Familienkreis der Patienten zu verwenden.

3. Malen

Malen ist ein Bereich, der zum Beispiel in der Kunsttherapie ganz gezielt für therapeutische Zwecke eingesetzt wird. Ein Bild zu malen, um sich auszudrücken, ermöglicht es Dinge zu verarbeiten, für die man vielleicht keine Worte finden kann. Bilder spiegeln oft existenzielle Erfahrungen wider und die künstlerische Beschäftigung damit kann heilsam sein. Die Kommunikation über das Bild und die Gestaltung ermöglichen einen leichteren Zugang, über das Erlebte zu sprechen. Daneben kann Malerei aber genauso auch rein dekorativen Zwecken dienen und primär das ästhetische Empfinden ansprechen.

4. Ausmalen

Wer mit Pinsel und Leinwand überfordert ist, kann das Malen auch in einfacherer Form (wieder)entdecken: Mandalas, Bilderbücher und vorgegebene Motive kann man ausmalen. Seit es vor ein paar Jahren den Trend der „Ausmalbücher“ gab, gibt es hierfür reichlich Auswahl an Material. Verschiedene Stifte und verschiedene Farben geben Anregungen und regen die Kreativität an.

Was gilt es dabei zu beachten

Mit das Wichtigste beim Einsatz von kreativer Betätigung ist, dass die Ergebnisse einen Verwendungszweck haben. Nur wenn die kreative Beschäftigung sinnvoll ist und einem Zweck dient, wird sie angenommen. Das heißt, die Ergebnisse sollten zum Beispiel zur Dekoration verwendet werden. So kann man beispielsweise Bilder und Collagen im Anschluss gemeinsam aufhängen, um den Lebensraum zugleich schöner zu gestalten.

Die richtige Balance zwischen Herausforderung bzw. Förderung und Einfachheit.

Um Überforderung zu vermeiden ist es wichtig, die individuellen Möglichkeiten der Person zu berücksichtigen. Es kann helfen, Materialien auszuwählen, die an sich bereits schön aussehen. Dann ist es nicht schlimm, wenn man das Basteln nicht mehr so richtig hinbekommt – weil das Endergebnis trotzdem gefällt. Das Heilsame an der kreativen Betätigung ist der schöpferische Prozess. Deshalb ist es ist wichtig, dass die Freude am Basteln und Gestalten im Vordergrund steht.

Kreative Betätigung gibt dem Menschen etwas Schönes und Sinnvolles zu tun. Dabei kann man sich ausprobieren, eigene Stärken (wieder)entdecken und etwas selbst erschaffen. Das gibt Selbstvertrauen und macht einfach Spaß. Es geht hierbei um die Verbindung von Pflege und Alltagsbetreuung und um die wertschätzende Pflege des Menschen im Ganzen.