Aufstehen, herumlaufen, sich bewegen – für die meisten Menschen im Alltag ganz normal. Was aber, wenn man durch Alter und/oder Erkrankungen in seiner Mobilität eingeschränkt ist? Tritt eine Pflegebedürftigkeit ein, besteht das Risiko, dass die eigene Mobilität stetig abnimmt. Wie kann man dem als Pflegekraft entgegenwirken und die Bewegungsfähigkeit von Patienten fördern?

Warum körperliche Bewegung so gesund ist – auch im Alter

Allgemein gilt das Verständnis: Bewegung tut Körper, Seele und Geist gut. Deshalb wird auch überall regelmäßiger Sport für die Gesundheit empfohlen. Wenn man körperlich dazu nicht (mehr) in der Lage ist, wird jede mögliche Bewegung jedoch umso wichtiger. Das hat zunächst ganz pragmatische Gründe: Wer sich wenig bewegt und beispielsweise bedingt durch eine Erkrankung oder altersbedingte Einschränkungen viel liegt, setzt sich auf Dauer dem Risiko von Folgeerkrankungen wie Dekubitus, Kontrakturen (Verkürzungen von Muskeln und Bändern) oder Lungenentzündungen aus.

Mobilität bezieht sich nicht nur auf physische Fähigkeiten.

Neben diesen körperlichen Folgen wirken sich Einschränkungen in der Mobilität aber auch auf Seele und Geist aus. Denn abnehmende Bewegungen führen zu zunehmender Abhängigkeit und somit dem Verlust der Selbstständigkeit und häufig in den sozialen Rückzug. Andersherum kann jemand, der – soweit es möglich ist – mobil bleibt, aktiv am Leben teilnehmen und erhält sich eine gewisse Autonomie und Selbstständigkeit. Das wiederum wirkt sich deutlich positiv auf die Lebensqualität und die kognitiven Fähigkeiten des Betroffenen aus.

Wie man in der Pflege mobilisieren kann

Eine wichtige Aufgabe in der ganzheitlichen Pflege ist daher die Erhaltung und Förderung der Mobilität von Patienten. Oder in einem Wort: „Mobilisation“. Darunter sind aktivierende Maßnahmen zu verstehen, die die Bewegungsfähigkeit des Pflegebedürftigen abhängig von seinem Zustand fördert. Je nach gegebenen Umständen können diese Maßnahmen und Bewegungen unter Anleitung selbstständig erfolgen, oder mit aktiver Unterstützung.

Größtenteils handelt es sich dabei um Bewegungsübungen wie das aktive oder passive Bewegen von Armen und Beinen oder auch die Unterstützung des Patienten bei Tätigkeiten wie dem Zähneputzen. Dies kann man gut in den pflegerischen Alltag integrieren, weil man die Übungen zugleich dazu nutzen kann, die Beweglichkeit der Gelenke zu beurteilen und zu fördern.

Was man dabei beachten sollte

Natürlich ist nicht jede Übung für jeden Patienten geeignet. Daher ist zunächst sehr wichtig, dass man die Möglichkeiten des Pflegebedürftigen realistisch einschätzt. Wie mobil ist er oder sie? Welche Ursachen haben seine/ihre Bewegungseinschränkungen? Hier kann es von Unsicherheit über vergangene Ereignisse wie ein Sturz bis hin zu Erkrankungen verschiedene Ursachen geben, die zu berücksichtigen sind. Diese Einschätzung setzt deshalb Fachwissen voraus. Für passende Mobilisations-Maßnahmen kann ein Physiotherapeut zu Rate gezogen werden.

Jeder Patient hat individuelle Möglichkeiten und eigene Wünsche für seine Mobilität.

Zusätzlich sollte man mit dem Pflegebedürftigen klar darüber kommunizieren, was die Ziele der Mobilisation sind. So kann man zugleich die Probleme und Wünsche des Betroffenen aus seiner Sicht erfahren und bei der Planung von Maßnahmen berücksichtigen. Außerdem ist wichtig, neben dem Betroffenen auch die Angehörigen – sofern sie in die Pflege einbezogen sind – zu informieren, gegebenenfalls anzuleiten und bei bestimmten Übungen zu betreuen.

Mobilisation – wichtiger Bestandteil ganzheitlicher Pflege

Einschränkungen der Mobilität können viele Ursachen haben. Deshalb gibt es kein „Patent-Rezept“ für die Mobilisation von Pflegebedürftigen. Es gilt, immer die jeweils individuelle Situation zu prüfen, um zu beurteilen, welche Maßnahmen sinnvoll sind. Grundsätzlich ist jedoch festzuhalten, dass eine gewisse Bewegungsfähigkeit, soweit es die Umstände zulassen, ein wichtiges Ziel von ganzheitlicher Pflege ist. Denn Mobilität erfüllt neben dem Aspekt der körperlichen Gesundheit auch den Zweck, geistige Fähigkeiten zu fördern und soziale Kompetenz zu erhalten.