BlogBildMultikultur

Multikulturalität in der Pflege gewinnt in Deutschland immer mehr an Bedeutung. Das wird sich in naher Zukunft auch so schnell nicht ändern: Immer mehr Menschen mit Migrationshintergrund erreichen ein Alter, in dem sie auf Pflege angewiesen sind. Sprachliche, kulturelle und religiöse Barrieren können diese manchmal zu einer besonderen Herausforderung machen.

DER PFLEGEBEDARF VON ZUWANDERERN STEIGT

Dass gerade jetzt der Bedarf an kultursensibler Pflege so stark ansteigt, hängt mit der deutschen Geschichte und der daraus folgenden Altersstruktur in der Gesellschaft zusammen: Mitte der 50er Jahre sowie am Anfang der 70er kamen viele Menschen nach Deutschland, um den damals boomenden Arbeitsmarkt zu unterstützen. Das war anfangs nur als vorübergehende Lösung gedacht, wie der häufig verwendete Begriff „Gastarbeiter“ durchscheinen lässt. Sehr viele dieser sogenannten Gastarbeiter fanden jedoch in Deutschland dauerhaft ein neues Zuhause und werden jetzt mitunter pflegebedürftig – unter anderem auch deshalb, weil Studien zufolge ihre Arbeitsbedingungen und die mit der Migration einhergehende Belastung das Risiko im Alter pflegebedürftig zu werden für sie erhöht.

Knapp jeder elfte pflegebedürftige Mensch hat in Deutschland einen Migrationshintergrund – offiziell.

Inoffiziell kann die Zahl durchaus höher liegen, denn die gleichen Barrieren, die den Pflegeprozess selbst komplizierter machen, könnten auch dafür sorgen, dass die Pflegebedürftigkeit vieler Menschen gar nicht erst vom System erfasst wird.

ES GILT DEN MENSCHEN ZU PFLEGEN

Das wichtigste Prinzip der Pflege ist im zwischenkulturellen Zusammentreffen nicht anders: Es gilt immer in erster Linie, auf die Bedürfnisse des Menschen einzugehen. Ob diese Bedürfnisse nun durch einen anderen kulturellen Hintergrund geprägt sind oder nicht, sollte idealerweise keine Auswirkungen auf die Pflegetätigkeit an sich haben. Es ist bei jedem Menschen wichtig, die individuellen Bedürfnisse zu erfragen, um unangenehme Situationen für zu Pflegende und Pflegende gleichermaßen zu vermeiden. Deshalb sollte man auch bei kultursensiblen Fragen kein Blatt vor den Mund zu nehmen vorher zu klären, wo kulturbedingt Reibungen entstehen könnten und wo nicht. Soziale Kompetenz und Toleranz sind hier wichtig, um eventuelle Sprachbarrieren zu überbrücken und kulturell bedingte Missverständnisse zu umgehen.

Das „Aufeinanderprallen“ von Kulturen wird häufig nur deshalb als problematisch empfunden, weil im Vorhinein bereits ein Problem erwartet wird – und zwar von beiden Seiten.

Denn die Pflegebedürftigen kennen sich ihrerseits oft auch nicht mit den Gepflogenheiten der deutschen Pflegelandschaft aus. Daher ist eine richtige Beratung und Aufklärung nicht nur wegen eventueller Sprachbarrieren, sondern auch wegen anderer möglicher Unsicherheiten hier besonders wichtig.

MULTIKULTURALITÄT IN PFLEGETEAMS

Auch die Pflegerinnen und Pfleger selbst stammen natürlich aus unterschiedlichen Hintergründen. Das könnte eine Gelegenheit bieten, gezielt durch kulturellen Austausch innerhalb der Teams die Pflege von Menschen mit Migrationshintergrund zu verbessern. Ihre Pflege fällt Pflegerinnen und Pflegern oft deutlich leichter, wenn sie aus eigenen Erfahrungen schöpfen können und selbst die jeweilige Muttersprache beherrschen. Außerdem könnten sie Kolleginnen und Kollegen bei deren kultursensiblen Pflegetätigkeiten aushelfen. Leider werden diese Chancen oft nicht richtig genutzt. In manchen Fällen übertragen sich die zwischenkulturellen Spannungen sogar aufs Kollegium, anstatt dass durch die Multikulturalität des Teams ein flexibleres, kultursensibleres Pflegen ermöglicht wird. Gerade im Rahmen von Demenz kann es vorkommen, dass eine später im Leben erlernte Sprache vergessen wird.

Das ist angesichts der gesellschaftlichen Entwicklung natürlich der falsche Weg. Das allerwichtigste ist immer gegenseitiger Respekt. Das ist aber eben keine Besonderheit kultursensibler Pflege, sondern sollte immer und überall gelten.

Hinterlasse einen Kommentar

avatar
  Subscribe  
Benachrichtige mich zu: