MaennlichePfleger

„Pflegerin gesucht“, heißt es in vielen Anzeigen. Die männliche Form des Wortes wird dabei häufig gleich weggelassen, denn es ist längst nichts Neues, dass die Pflegebranche überwiegend von Frauen dominiert ist. Wie kommt es dazu – und ist ein Umschwung in Sicht?

NUR ETWA JEDE FÜNFTE PFLEGEKRAFT IST MÄNNLICH

Der weibliche Anteil im Job als Pflegekraft variiert von Bereich zu Bereich und Betrieb zu Betrieb, aber quasi überall sind Frauen in der Überzahl. Manchmal machen Frauen „nur“ 70% des Personals aus, nicht selten überschreitet der Anteil aber auch schonmal die 90%-Marke.

Wenn es darum geht, sich für den Job zu entscheiden, wählen viermal so viele junge Frauen die Rolle als Pflegerin, als sich Männer dafür begeistern können, Pfleger zu werden.

Und das, obwohl in der Pflege Körperkraft sehr wichtig sein kann. Viele pflegebedürftige Männer würden nach eigener Aussage gern auch von einem Mann gepflegt – Das ist aber aufgrund der geringen Zahl an Pflegern oft nicht möglich.

WARUM FRAUEN DOMINIEREN

Ein Grund dafür, dass die Zahlen so sind wie sie sind, sind festgefahrene Geschlechterrollen und -klischees. Zum Glück vorbei sind die Zeiten, in denen Männer, die sich außerhalb von etablierten Stereotypen bewegten, gleich als „Weicheier“ verrufen wurden. Trotzdem geht man in der deutschen Gesellschaft im Normalfall nach wie vor davon aus, dass Männer eher technisch und logisch versiert sind, während Frauen generell als emotionaler und sozialer veranlagt eingeschätzt werden. Wenn sich also ein Mann dafür entscheidet, sich einen Job in der Pflege zu suchen, statt beispielsweise KFZ-Mechaniker zu werden, dann wird er häufig genauso verwundert angestarrt wie eine Frau, die das Gegenteil tut.

Dazu kommt noch, dass Pflegejobs an sich leider noch immer häufig schlecht bezahlt sind und in der Gesellschaft nicht dasselbe Ansehen genießen wie andere Branchen. Außerdem suchen viele Männer Jobs mit direkt ersichtlichen Aufstiegschancen – Auch diese sehen hier meist nicht so rosig aus wie in anderen Berufen.

EIN WANDEL MUSS HER – ABER WIE?

Wenn es um die Frage geht, wie man mehr männliche Kandidaten für einen Job als Pfleger begeistern kann, muss man grundlegend beim Denken der Menschen anfangen. Die Stereotypen, die sich bei den Geschlechterrollen in Deutschland festgesetzt haben, sind erlernt. Beispielsweise, dass Jungen Mechaniker und Mädchen Krankenschwester werden und nicht umgekehrt. Wird bereits in den Schulen Wert darauf gelegt, diese vorgefertigten Rollen gar nicht erst zu vermitteln, kann in einer ganzen Generation ein Umdenken stattfinden.

Das heißt natürlich nicht, dass Geschlechterunterschiede an sich nicht trotzdem ein wichtiges Thema an Schulen sind. Es gilt eben, auch Jungen den Beruf Pfleger als positive Berufsmöglichkeit zu vermitteln, und zu zeigen dass es eben nicht nur „was für Mädchen“ ist. Nur wenn ein generelles Umdenken stattfindet und Jobs in der Pflege attraktiver werden – und das unabhängig vom Geschlecht – könnte sich der Trend ändern und ein Umschwung für männliche Pfleger beginnen.