Häufiges Thema: Mangelnde Wertschätzung in der Pflege. Aber unter Kollegen kann man mit den richtigen Methoden selbst gut dagegen angehen.

Nicht jede positive Bekundung ist gleich

Wenn wir im Alltag die Begriffe „Lob“ und „Anerkennung“ verwenden, dann empfinden wir sie oft als frei austauschbar. Aber Lob und Anerkennung sind zwar ähnliche Dinge, jedoch nicht das gleiche. Sie gehen zwar oft Hand in Hand, aber nicht zwingend. Anerkennung ist eine gute Grundlage und meist auch Ursache für Lobesbekundungen, aber grundsätzlich sind sie verschiedene Dinge.

Anerkennung ist eine Grundeinstellung, Lob eine Handlung.

Anerkennung ist Respekt und Schätzung für eine Person – Aber nicht einfach so, sondern weil diese Person sich verdient gemacht hat. Trotzdem ist Anerkennung etwas Dauerhaftes, das betroffene Menschen auch spüren: Denn Anerkennung lässt sich an der Körpersprache vieler Menschen ablesen.

Lob ist dagegen etwas Aktives: Eine komprimierte, sprachliche Form von Anerkennung, die für eine bestimmte Leistung gegeben wird. Loben ist dabei wichtiger als man denkt: Es steigert das Selbstwertgefühl, verbessert das Gruppenklima und sorgt für Motivation, sich weiteres Lob zu verdienen.

Zu selten verwendet

Lob ist so einfach zu verwenden, aber trotzdem scheint gerade das zu selten zu geschehen: Viel zu häufig hört man immer wieder von der mangelnden Wertschätzung für Pflegekräfte. Einfach mal Loben würde hier helfen. Aber in der Hektik des Alltags wird gerade das zu oft vergessen. Und das obwohl es genau diese Hektik erfolgreich bekämpfen kann. Die Wertschätzung ist genau das richtige: Ein positives Gefühl, dass dem Stress aktiv entgegenwirkt. Es muss aber nicht immer das Lob vom Chef sein: Auch unter Kollegen kann man sich gegenseitig ermutigen. Ermutigung ist dabei noch etwas anders als Lob: Sie muss nicht zwingend auf einen Erfolg folgen, sondern kann auch einfach mal so gegeben werden. Und sollte es auch.

Auch Loben will gelernt sein

Klingt vielleicht seltsam, aber ist wichtig: Man macht mit Loben vieles richtig, kann aber auch manches falsch machen. Während man Leute spontan ermutigen kann, sollte Lob nur dann gegeben werden, wenn auch ein Anlass besteht. Sonst wirkt das ganze heuchlerisch und bemüht und kann sogar einen demotivierenden Effekt haben.

Auch auf den Ton kommt es an: Wenn man jemanden loben möchte, sollte man auch die richtigen Worte achten: Einfach sagen „Jo, klasse“, kann je nach Situation auch anders wahrgenommen werden – Im schlimmsten Fall sogar sarkastisch.

Lob muss immer einen Anlass haben.

Daher sollte man beim Loben nach Möglichkeit auch immer einbringen, wofür man eigentlich lobt und was man daran gut findet. Ein weiteres Fettnäpfchen ist vergleichendes Lob: Wenn man Mitarbeiterin A sagt, sie habe etwas besser gemacht als Mitarbeiter B, dann kann das zwar kurzfristig zur Folge haben, dass Mitarbeiterin A sich motiviert fühlt. Aber es besteht immer das Risiko, dass Mitarbeiter B davon Wind bekommt und sich auf lange Sicht das Arbeitsklima im Team sogar verschlechtert.

Zu viel des Guten

Vorsicht: Lob ist gut, aber wie bei so vielen Dingen kommt es auch bei Lob auf die Dosierung an. Wer ständig lobt, dessen Lob wird nicht mehr ernst genommen, denn Lob sollte eigentlich besonderen Leistungen vorbehalten sein. Andersherum fühlen sich Menschen, die ständig gelobt werden, durch Lob irgendwann nicht mehr wirklich beflügelt, sondern beginnen irgendwann, das Lob zu erwarten. Wenn es dann ausbleibt, sind sie dann entsprechend oft frustriert.
Letzte wichtige Faustregel: Lob sollte zeitig kommen. Denn die Einsatzbereitschaft zu loben, die Kollegin A in der einen Woche vor zwei Jahren an den Tag gelegt hat, bringt heute gar nichts mehr und wirkt schon eher komisch als beflügelnd.