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Jeder Mensch hat eine Geschichte, auch Pflegebedürftige. Nicht immer ist diese Geschichte geprägt von Dingen, die man in der Gesellschaft allgemein als positiv erachtet. Unter Patienten finden sich Menschen, die im Krieg waren und unter Hitler gedient haben, Straftäter oder gar Schwerverbrecher, denn unabhängig davon, wie ein Mensch sein Leben gelebt hat, kann jeder einmal in die Lage kommen Pflege zu brauchen. Daher kommt es natürlich vor, dass Pflegekräfte mit der düsteren Geschichte mancher Patienten konfrontiert werden.

WIE KÖNNTE SICH EINE DÜSTERE VERGANGENHEIT WÄHREND DER PFLEGE ÄUSSERN

Vermutlich werden weder die Patienten selbst, noch deren Angehörige im Pflegeheim gegenüber Angestellten oder anderen Bewohnern gerne offen zugeben, dass sie beispielsweise aufgrund einer Straftat eine Zeit lang im Gefängnis waren. Eine Person mit Demenz lebt jedoch geistig manchmal in einer bestimmten Zeit der eigenen Vergangenheit und kann darauf natürlich keinen Einfluss nehmen, daher kann es vorkommen, dass einige Details aus dieser Zeit „ans Licht kommen“, welche der Patient im Normalfall eher für sich behalten hätte.

In anderen Fällen wird eine bestimmte Einstellung zu einem Thema, wie beispielsweise die feste Überzeugung, dass das Hitler-Regime eine gute Sache war, von manchen Patienten sehr offen vertreten. Dies könnte sich zum Beispiel äußern, indem der Patient die Pflegekräfte mit Hitlergruß grüßt oder die Pflege durch Pflegekräfte mit Migrationshintergrund kategorisch ablehnt. Auch anderen Bewohnern gegenüber könnte so ein Verhalten vorkommen und auffällig werden.

SO GEHT MAN MIT DEN DÜSTEREN KAPITELN EINES PATIENTEN UM

Einiges, was man in dieser Hinsicht von Patienten möglicherweise erfährt, lässt sich leicht ignorieren, zum Beispiel kleinere Strafdelikte wie Diebstahl. Andere Dinge kann man unter Umständen schwerer übersehen, wenn man beispielsweise erfährt, dass der Patient ein Vergewaltiger oder Pädophiler ist.

In dieser Situation professionell als Pflegekraft zu handeln mag anspruchsvoll sein, da das eigene moralische Empfinden und die Gefühle schwer auszublenden sind.

Aber da der Mensch als Patient im Heim ist, sollte man versuchen der Angelegenheit mit Distanz zu begegnen und in erster Linie die Pflegebedürftigkeit zu sehen – auch wenn dies sehr schwer fällt.

In anderen Situationen, wenn es beispielsweise um einen ehemaligen Nazi geht, der von den Pflegekräften eine Erwiderung seines Hitlergrußes erwartet, um die Pflege überhaupt zuzulassen, kann man darauf eingehen. Diskussionen mit diesen Patienten wären wenig sinnvoll und fördern möglicherweise Aggression. Bei Patienten, die sich weigern von Ausländern gepflegt zu werden, ist es möglich entsprechend mit anderen Kollegen zu tauschen, um „den Frieden zu wahren“. Sollte derartiges Verhalten jedoch massiv störend gegen Angestellte und Bewohner eingesetzt werden, müssen natürlich entsprechende Maßnahmen im Team besprochen werden, um die Situation zu klären.