Es wird viel diskutiert über das deutsche Pflegesystem und welche Änderungen das sogenannte „Pflegestärkungsgesetz 2019“ vorsieht. Hier ein Überblick über die geplanten Maßnahmen.

Welche Änderungen sind in der Altenpflege zu erwarten?

Kernidee des Pflegestärkungsgesetzes ist die Entlastung für Pflegekräfte durch mehr Pflegestellen. In der vollstationären Altenpflege sind 13.000 neue Stellen für Pflegekräfte eingeplant. Zu beachten ist hierbei, dass nicht nach Belieben neue Stellen entstehen und besetzt werden können. Sondern es müssen diverse Vorgaben bezüglich der Bewohnerzahl, die im Pflegeheim betreut wird, erfüllt werden. Eine Einrichtung, die unter 40 Bewohner pflegt, kann eine halbe Pflegestelle beantragen, über 41 bis 80 Belegungen im Pflegeheim bedeuten, dass eine ganze Pflegestelle beantragt werden kann. So geht es weiter: Einrichtungen mit 81- 120 Belegungen stehen anderthalb Pflegestellen zu, und für über 120 Bewohner werden dem Pflegeheim zu dem bestehenden Personal zwei weitere Pflegestellen zugesprochen.

Investition in die Digitalisierung zur Entlastung der Pflegekräfte

Um das Pflegepersonal noch weiter zur entlasten, möchte man in die Digitalisierung in den Einrichtungen investieren. 12.000 Euro sollen jeder Einrichtung zur Verfügung gestellt werden. Damit soll erreicht werden, dass die Pflegekräfte mehr Zeit für ihre tatsächlichen Aufgaben bekommen, anstelle sich mit der Bürokratie und der Dokumentation herumzuschlagen. Die Idee ist also: mehr Digitalisierung für kürzere Bürokratiewege, dafür mehr Zeit für die Pflegebedürftigen.

Pflegekräfte in Krankenhäusern

Pflegekräfte in Krankenhäusern sollen ebenfalls durch mehr Stellen entlastet werden. Wie viele Stellen genau, wird allerdings nicht thematisiert. Laut dem Bundesministerium soll dadurch aber die Aussage „Kein Geld für Pflegekräfte“ entkräftigt werden, weil jede Stelle, die zusätzlich entsteht oder von einer Teilzeit- zur Vollzeitstelle aufgestockt wird, vollständig finanziert werden würde. Wenn Kliniken sich trotzdem nicht in der Lage sehen, die Zahl der Pflegekräfte zu erhöhen, dann sollen sie alternativ mit einer Verringerung von der Fallzahl/Pflegezahl reagieren. Außerdem müssen sie mit Vergütungsabschlägen für Pflegekräfte rechnen, wenn sie keine weiteren Pflegekräfte einstellen wollen.

Erleichterungen im Alltag und für Angehörige der Pflegebedürftigen

Für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen soll die anfallende Bürokratie unkomplizierter gestaltet werden. Gemeint sind damit zum Beispiel die Taxifahrten von Pflegebedürftigen, die ein Anrecht darauf haben und diese für die Arztbesuche benötigen. Diese sollen jetzt ohne größeren Aufwand von den Krankenkassen genehmigt werden. Eine weitere Erleichterung soll es im Rahmen der Reha für die Angehörigen der Pflegebedürftigen geben. Das bedeutet, es sollen vermehrt Pflegebedürftige gemeinsam mit ihren Angehörigen in einer stationären Reha aufgenommen und betreut werden können.

Außerdem ist die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege für Angehörige ein Thema. Dafür sollen pflegende Angehörige ihre Arbeitszeit einfacher für einen begrenzten Zeitraum reduzieren können. Demnach kann man sich für einen bis zu fünf Jahre dauernden – im Voraus bestimmten – Zeitraum zur Pflege des Angehörigen freistellen lassen. Über die genauen Voraussetzungen holt man sich vorher am besten rechtlichen Rat ein.

Die Qualität der Pflegeheime

Ab November 2019 soll außerdem die Qualität von Pflegeheimen mit neuen Verfahren gemessen und dargestellt werden. Das bedeutet jährliche Qualitätskontrollen, die durch den medizinischen Dienst der Krankenkassen durchgeführt werden. Die Bewertung von Pflegeheimen anhand der gemessenen Qualitätsindikatoren wird auf einer Skala von „weit über“ bis zu „weit unter“ dem Durchschnitt veröffentlicht. Somit fällt das Notensystem, nach dem die Pflegeheime bisher bewertet wurden, weg. Das Ziel ist, die Pflegelandschaft insgesamt transparenter zu gestalten.

Dies sind die anstehenden Änderungen, die das Pflegestärkungsgesetz 2019 vorsieht. Welche Wirkung diese Änderungen tatsächlich haben werden und ob sie eine langfristige Verbesserung des Pflegesystems herbeiführen können, wird sich wohl erst im Laufe des Jahres zeigen.