Frühdienst, Spätdienst, Nachtdienst – Von immer gleichbleibenden Arbeitszeiten können viele Pflegekräfte nur träumen. Aber sie haben Rechte: Wir geben einen Überblick, welche Ansprüche bestehen.

Gesetzliche Grundlagen

Wer seine Rechte und Ansprüche rund um das Thema Schichtdienst wissen möchte, sollte (unabhängig von der Branche) zunächst einen Blick in das ArbZG werfen – Das Arbeitszeitengesetz, das gemäß europäischem Recht bereits seit 1994 gilt. Es bildet die gesetzliche Grundlage für sämtliche Fragen zum Thema Arbeitszeiten und ist mit wenigen Ausnahmen, wie z.B. Chefärzten, für Arbeitgeber und Arbeitnehmer gleichermaßen bindend.

Einige Dinge gelten in Sachen Arbeitszeit unabhängig davon, ob Schichtdienst besteht oder nicht.

Beschäftigte dürfen zum Beispiel täglich nur acht Stunden arbeiten und müssen ab sechs Stunden mindestens 30 Minuten Pause machen. „Täglich nur acht Stunden“ bedeutet jedoch nicht, dass es jeden Tag immer genau acht Stunden sind. Auch bis zu zehn Stunden an einem Tag sind erlaubt – Voraussetzung ist aber, dass in 24 Wochen der tägliche Durchschnitt die acht Stunden nicht überschreitet. Allerdings erhöht sich auch die Pflicht-Pausenzeit von 30 auf 45 Minuten, sobald an einem Tag mehr als neun Stunden gearbeitet wird.

Spezielle Regelungen für Pflege

Wer in der (stationären) Pflege arbeitet, beziehungsweise in Krankenhäusern und generell Einrichtungen zu Betreuung von Menschen, hat weitere gesetzliche Ansprüche. Zwischen zwei Schichten müssen mindestens elf Stunden Ruhezeit bestehen. Eine Reduzierung auf zehn ist bei Bedarf möglich, aber in diesem Fall muss im gleichen Monat eine Ruhezeit verpflichtend um eine Stunde verlängert werden. Einer der unbeliebtesten Aspekte einer Beschäftigung in der Pflege was die Arbeitszeiten angeht, ist allerdings wohl die Tatsache, dass die normalen Regelungen der Sonn- und Feiertagsruhe für sie nicht gelten. Das bedeutet jedoch nicht, dass keine Regelungen gelten: Mindestens 15 Sonntage im Jahr dürfen auch sie der Arbeit fernbleiben.

Derzeit wird an einigen Orten auch mit ganz alternativen Arbeitszeitmodellen experimentiert: Gerade in der Pflege gibt es das 7/7 Modell. 7-Tage in Folge 10 Stunden arbeiten, dann 7 Tage frei. Die Ergebnisse variieren, einerseits gibt es positive Stimmen, andere sehen mit 10 Stunden plus 2 Stunden verpflichtenden Pausen, also einer effektiven Dienstanwesenheit von 12 Stunden am Tag auf Dauer Probleme. Vor allem, weil Hin- und Rückweg hier noch nicht mit inbegriffen ist.

Nachts gelten andere Regeln

Auch Nachtschichten sind ein besonderes Thema. Wenngleich es Menschen gibt, die das Arbeiten in der Nacht sogar angenehmer finden, sind Nachtschichten im Normalfall unbeliebt. Auch hier sind acht Stunden Arbeit normal. Das Überschreiten dieser Zeit hat bei Nachtschichten allerdings andere Konsequenzen. Auch nachts sind Zehn-Stunden-Schichten möglich –  allerdings muss der Durchschnitt anders als tagsüber hier nicht innerhalb von 24 Wochen auf acht Stunden gebracht werden, sondern schon innerhalb von vier Wochen. Damit soll sichergestellt werden, dass Schichtarbeiter sich nicht zu viele Nächte am Stück mit Arbeit um die Ohren schlagen. Zudem sind Arbeitgeber in der Pflicht, Nachtarbeit auszugleichen: Das kann entweder durch mehr Geld erfolgen oder durch bezahlte freie Tage. Letztere sind für Pflegekräfte in vielen Fällen wertvoller.