Das Problem Dekubitus beschäftigt Pflegekräfte vor allem in stationären Einrichtungen – aber auch in der ambulanten Pflege muss man sich mit dem Thema beschäftigen. Von den Präventionsmaßnahmen liest man oft, aber wie sieht das Thema rechtlich aus?

Eine konstante Gefahr

Vor allem in stationären Pflegeeinrichtungen ist Dekubitus ein allgegenwärtiges Risiko. Chronische Wunden durch einseitige Druckbelastung können die Gesundheit und Lebensqualität betroffener Menschen erheblich einschränken. Nicht zuletzt die Tatsache, dass in den allermeisten Fällen ohnehin schon pflegebedürftige Menschen betroffen sind, macht das Problem so kritisch. Die Maßnahmen, die daher für die Dekubitusprophylaxe in der Pflege ergriffen werden, sind daher weitreichend. Laut aktuellem Pflege-Report des Wissenschaftlichen Instituts der AOK sind die Fälle ist die Anzahl der vorkommenden Dekubitus-Fälle in Deutschland aber trotzdem zu hoch.

Zahlen schwanken stark

Der Report berichtet von einem Durchschnitt von etwa 8,5 Fällen von Dekubitus, die jährlich in einem Pflegeheim auftreten. Dieser Durchschnitt spiegelt aber sehr unterschiedliche Umstände in den einzelnen Pflegeheimen wider: So gäbe es Pflegeheime, die mit vier Fällen im Jahr gerade mal mit durchschnittlich einem Fall pro Quartal zu kämpfen haben. Am anderen Ende des Spektrums aber stehen laut Report Einrichtungen, in denen jährlich zwölf oder mehr Fälle von Dekubitus auftreten – Durchschnittlich also mehr als einer pro Monat. Was in den oben genannten Zahlen noch nicht zur Geltung kommt, ist die Tatsache, dass unterschiedliche Pflegeeinrichtungen unterschiedliche Bewohner beherbergen – mit einem unterschiedlich hohen Risiko einen Dekubitus zu entwickeln. Wer genauere Zahlen und Fakten des Pflegereports wissen möchte, kann ihn hier downloaden.

Die Schuldfrage

Eine Tücke bei Dekubitus ist die Tatsache, dass es naheliegt, Schuldige zu suchen. Denn die Druckgeschwüre gehen mit der Behandlung von Patienten einher und werden deshalb häufig als direktes Resultat pflegerischer Versäumnisse bewertet. Entsteht ein Dekubitus, hängt daher immer der Verdacht im Raum, dass die Prophylaxe nicht richtig durchgeführt worden ist.

Klagen sind vielerorts Alltag

Viele Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen haben fast schon regelmäßig mit Klagen erboster Angehöriger zu tun, die Schmerzensgeld verlangen. Fakt bleibt aber, dass das Risiko von Dekubitus nicht voll beherrscht werden kann. Deutlich nachweisbar ist aber, dass die richtigen Maßnahmen das Risiko um ein Vielfaches reduzieren können.

Dokumentation ist wichtig

Trotz der Tatsache, dass sich nicht jeder Dekubitus vermeiden lässt, gehen Kranken- und Pflegekassen im Eintrittsfall zumindest von der Möglichkeit aus, dass ein Pflegefehler dazu geführt hat. Daher ist es immer wichtig, sich als Pflegekraft rechtlich abzusichern. Das funktioniert vor allem durch richtige Dokumentation. Denn die Leistung, die nicht dokumentiert wird, gilt im Zweifelsfall als nicht erbrachte Leistung, wenn es darum geht, sie nachzuweisen. Juristisch gesehen spielt das eine große Rolle. Sollte doch mal etwas nicht dokumentiert sein, können Zeugen herangezogen werden. Wenn lückenlos nachgewiesen werden kann, dass alle Maßnahmen richtig durchgeführt worden sind, bzw. so, dass ein Dekubitus aufgrund der Umstände nicht erkennbar war, besteht rechtlich gesehen weitgehende Sicherheit.