Wer kennt das nicht – dieser eine Kollege, der Sie mit einem Wort auf Hundertachtzig bringt. Die eine Kollegin, die morgens den Raum betritt und Ihre Laune geht in den Keller. Wir alle haben sie: Schwierigkeiten mit Kollegen, mit denen ein normaler Umgang unmöglich erscheint. Oder ist es mit Hilfe von ein paar Tipps doch möglich friedlich nebeneinander und miteinander zu arbeiten?

Konflikte sind normal

Wo Menschen zusammentreffen entstehen Konflikte – sie haben unterschiedliche Meinungen, andere Ansichten und verschiedene Charaktere. Da ist es nur natürlich und keine Seltenheit, das Auseinandersetzungen auftreten. Selbst in einem gut eingespielten Team kann es zu Problemen kommen. Sei es dadurch, dass jemand krank wird und das Team sich neu gruppieren muss oder jemand gerne neue Aufgaben übernehmen möchte.

Manchmal reicht es schon, dass jemand private Probleme hat und das Team merkt, dass etwas nicht stimmt – auf einmal ist die ganze Stimmung anders und kann zu Schwierigkeiten führen. Glauben Sie also nicht denen, die Ihnen sagen, dass Konflikte die Ausnahme von der Regel sind und alles immer total harmonisch sei. Es ist jedoch wichtig, dass Sie wissen, wie Sie mit solchen Situationen am besten umgehen können – für Ihre Gesundheit und Ihre Seele.

Über die eigenen Erwartungen bewusst werden

Sie sollten sich immer wieder Mal die Zeit nehmen, um darüber nachzudenken, was sie eigentlich von anderen erwarten. Ist es Ihnen wichtig, dass Ihr Kollege pünktlich ist oder legen Sie mehr Wert auf kreative Problemlösungen? Sollte er hilfsbereit sein oder stört es Sie, wenn er Ihnen immer wieder Ratschläge gibt? Denn diese Erwartungen tragen Sie unbewusst an Ihr Gegenüber heran – der davon gar nichts weiß.

Konfliktpotenzial, ohne dass etwas passiert sein muss.

Auf der anderen Seite geht es dem Kollegen genauso, auch er hat seine Erwartungen und Wünsche. So entsteht schon Konfliktpotenzial, ohne dass irgendetwas passiert sein muss. Seien Sie sich daher sowohl Ihrer eigenen Erwartungen bewusst, aber auch dass andere Erwartungen an Sie haben. Wenn Sie dies im Hinterkopf behalten, nimmt es schon viel Druck weg.

Was trage ich zu der Situation bei?

Da zu einem Konflikt mindestens zwei Personen gehören, müssen Sie sich auch fragen: Was trage ich zu dieser Situation bei? Manchmal kann die Antwort sehr simpel sein – der Mensch erinnert uns an eine Person aus unserem persönlichen Umfeld. Wenn wir dieser Person negative Gefühle entgegenbringen, überträgt sich dies automatisch auf unseren Arbeitskollegen. Dann kann dieser noch so nett oder gut im Job sein, das negative Gefühl bleibt. Sollte dies der Fall sein, rufen Sie sich immer wieder ins Gedächtnis, dass es sich um zwei unterschiedliche Personen handelt.

Auch unsere Wahrnehmung kann uns einen Streich spielen. Bei der selektiven Wahrnehmung nehmen wir nur bestimmte Aspekte unserer Umwelt wahr. So kann sich jemand noch so sehr bemühen, alles zu unserer Zufriedenheit zu erledigen und wir sehen nur diesen einen kleinen Fehler, den er gemacht hat.

Kommunizieren Sie – und zwar richtig

Lassen Sie Konflikte nicht ausarten. Fangen Sie frühestmöglich an zu kommunizieren. Dabei sollten Sie sachlich bleiben und sich nicht verleiten lassen auf eine persönliche Ebene zu wechseln. Zeigen Sie Ihrem Gegenüber durch einen angemessenen Tonfall wie ernst Ihnen das Thema ist. Vermeiden Sie im Gespräch Anklagen und Vorwürfe. Dafür empfiehlt es sich in der Ich-Form zu sprechen: „Ich habe das Gefühl, dass…“ oder „Aus meiner Perspektive stellt es sich so dar…“ Nehmen Sie Abstand von Formulierungen wie „Du hast mal wieder…“ oder „Du machst nie…“. Sie sollten auch andere Beteiligte nicht mit hineinziehen, indem Sie behaupten „Alle meinen…“ oder „Man sagt über dich…“. Bleiben Sie allein bei sich und Ihrer Wahrnehmung. Wenn Sie befürchten, dass das Gespräch aus dem Ruder laufen könnte, sollten Sie sich eine dritte unbeteiligte Person dazu holen.

“Du” und “Immer” kombiniert in Aussagen verstärken Konflikte oft nur statt sie zu lösen.

Betonen Sie in solch einem Gespräch jedoch nicht nur die negativen Punkte. Sprechen Sie auch positive Seiten an. Damit zeigen Sie Ihrem Kollegen, dass Sie seine Arbeit trotz der Probleme wertschätzen und Sie ihn nicht persönlich angreifen wollen.

Bleiben Sie ruhig

Auch wenn es sehr schwer fällt: Versuchen Sie ruhig zu bleiben. Nehmen Sie mögliche Angriffe von außen nicht persönlich, sondern konzentrieren Sie sich auf die sachliche Ebene und argumentieren Sie auch nur auf dieser. Bevor Sie sich verleiten lassen etwas Unüberlegtes zu sagen, nehmen Sie sich einen Moment zum Durchatmen und Nachdenken. Zählen Sie in Gedanken bis zehn oder gehen Sie kurz raus und treten gegen eine Mauer. Denn in einer Konfliktsituation werden Stresshormone ausgeschüttet, was dazu führt, dass das Unterbewusstsein die Kontrolle übernimmt und Sie Dinge sagen oder tun, die Sie nicht mehr zurücknehmen können. Des Weiteren lässt es Sie unprofessionell erscheinen.

Bleiben Sie fair

Sie ärgern sich gerade richtig über einen Arbeitskollegen und die Schichtablösung kommt. Der richtige Augenblick, um sich Luft zu machen und zu erzählen, was heute schon wieder geschehen ist. Genau das sollten Sie nicht machen! Auch wenn Ihnen die kleinen Lästereien im Moment Erleichterung verschaffen und Ihnen andere Personen in Ihrer Sichtweise zustimmen, verkompliziert es die Situation auf Dauer nur. Außerdem könnte Ihr Ruf darunter leiden und Sie werden als unprofessionell und nicht vertrauenswürdig angesehen. Wenn Sie Ihrem Ärger Luft machen wollen, sprechen Sie mit jemanden aus Ihrem privaten Umfeld.

Wenn alles nichts hilft: Gehen Sie auf Distanz

Es gibt Situation, in denen Sie machen können was Sie wollen – es hilft nichts. Wenn Sie an diesem Punkt angelangt sind, gestehen Sie es sich ein. Wenn es beim ersten Dutzend Mal nichts gebracht hat, stehen Ihre Chancen schlecht, dass es beim nächsten Mal etwas bringt. Hier angekommen ist es wichtig, dass Sie sich schützen. Versuchen Sie emotional auf Abstand zu gehen. Verhalten Sie sich weiterhin höflich und respektvoll der Person gegenüber und versuchen Sie alles andere an sich abprallen zu lassen. Sie können diese Person nicht ändern. Sie können nur lernen, diesem Menschen gegenüber eine sachliche Haltung einzunehmen. Fragen Sie sich in diesem Zusammenhang: Wie wichtig ist die Person wirklich für mich? Möchte ich mir von ihr den Tag verderben lassen?

Abstand nehmen als letzte Lösung.

Lassen Sie sich von solch einer Entwicklung nicht entmutigen. Wie schon erwähnt sind immer mindesten zwei Personen an einem Konflikt beteiligt – und somit auch zwei Personen an der Lösung. Wenn Sie alles getan haben, um den Konflikt zu lösen, lassen Sie die negativen Gedanken und Gefühle los. Das schützt Ihre Gesundheit und Ihre Seele.