In der letzten Woche gaben wir Tipps für effektive Pflegedokumentation. Die Mehrheit der deutschen Pflegekräfte dokumentieren nach wie vor per Hand mit Stift und Papier – Aber wie lange noch?

Breiter Markt, aber wenig Begeisterung

Die Organisationsprogramme haben viele Namen: Cairful, iMedOne Pflege oder Cognito ambulant sind nur einige Beispiele. Dann gibt es digitale Stifte, die die Dokumentation auf Papier gleichzeitig auch digital abspeichern sollen: Das Angebot im Bereich elektronische Pflegedokumentation ist vielseitig, sowohl was moderne Hardwarelösungen als auch was Software angeht. Es reicht von kleineren Tools für die einzelne Pflegekraft bis hin zu aufwendigen Großprojekten, die auch größten Betrieben eine umfassende digitale Verarbeitung sämtlicher Daten rund um den Pflegebedarf ermöglichen sollen. Was allerdings die tatsächliche Benutzung im deutschen Pflegealltag anbetrifft, werden sie alle nach wie vor von einem Dokumentationstool – oder besser gesagt zweien, bei weitem übertroffen: Stift und Papier.

Reicht „klassische“ Dokumentation nicht aus?

Natürlich lässt sich, wenn man es richtig angeht, mit der klassischen Papierdokumentation bereits alles machen, was gefordert wird – andernfalls hätten wohl viele Pflegeeinrichtungen ziemliche Probleme. Ein Wechsel weg von diesen Methoden lässt unter anderem daher bisher auf sich warten. Digitalisierung hält aber nicht zu Unrecht in so ziemlich jede Branche auf die ein- oder andere Weise Einzug. Denn selbst in Branchen, die an sich so ziemlich überhaupt nichts mit Computern zu tun haben, hat sich inzwischen gezeigt, dass sich im Prinzip immer ein Einsatzgebiet finden lässt, in dem der Einsatz von digitaler Datenverarbeitung Prozesse vereinfachen und beschleunigen kann. Warum sollte es in der Pflege, in der ja ein hoher Dokumentationsbedarf herrscht, anders sein?

3 Dinge fehlen

Der möglichen Vorteile von digitalen Lösungen sind sich die meisten mittlerweile bewusst. Aber der Umstiegsprozess und der damit verbundene finanzielle und organisatorische Aufwand hält viele Einrichtungen nach wie vor von einer Umstellung ab. Entsprechend wird sie in vielen Fällen zwar geplant, wurde aber nur schleppend bis gar nicht in der Praxis in die Tat umgesetzt.

Es mangelt an Zeit, Geld und Information.

Und hier beißt sich die sprichwörtliche Katze in den Schwanz: Es fehlt an Zeit, Geld und Aufklärung, die nötig wären um Methoden einzuführen, deren Ziel es ist, für mehr Zeit, Geld und Aufklärung im Team zu sorgen. Später kann keine Zeit gespart werden, weil jetzt keine Zeit da ist. Ein System für die allgemeine Pflegedokumentation im Betrieb zu finden ist bereits ein aufwendiger Schritt, denn die oben genannten Anbieter sind nur einige Beispiele. Da man sich als Betrieb in gewisser Weise von einem dieser Anbieter abhängig macht, will dieser gut gewählt sein.

Akzeptanz will verdient sein

Nicht nur auf Betriebsebene ist Information ein entscheidender Faktor: Denn wenn erst einmal eine neue Dokumentationslösung eingeführt ist, heißt das noch lange nicht, dass sie bei Pflegekräften auch mit Begeisterung angenommen wird. Menschen sind nun einmal Gewohnheitstiere – Wer schon seit Jahren mit Stift und Papier dokumentiert, wird einer Alternative in den meisten Fällen zunächst einmal misstrauisch entgegenstehen. Deshalb ist es besonders wichtig, dass die Pflegekräfte nicht nur informiert werden, dass jetzt ein digitales System für Pflegedokumentation eingeführt wird – ganz entscheidend ist auch, sie sowohl in dessen Gebrauch im Alltag zu unterrichten, als auch – vor allem auch – ihnen zu zeigen, dass dieser Gebrauch ihnen neue Vorteile bietet.