Es gibt viele Menschen, die in ihrer Vergangenheit eine schlimme Zeit durchlebt haben. Bedingt durch die Pflegebedürftigkeit kann es vorkommen, dass in der Pflege schmerzhafte Erinnerungen wachwerden. Pflegebedürftige, die Krieg erlebt haben oder andere traumatische Erlebnisse hatten, haben oft mit seelischen Folgen zu kämpfen. Wie können Pflegekräfte in so einer Situation mit den Pflegebedürftigen umgehen und worauf ist zu achten?

Warum die Vergangenheit im Alter wichtig wird

Mit den Jahren fällt es dem Menschen immer schwerer, neue Informationen zu speichern, d.h. das Kurzzeitgedächtnis lässt nach. Dafür wird aber das Langzeitgedächtnis umso aktiver. Die eigene Identität ist an die Erinnerung geknüpft. Wenn das eigene Ende näherkommt, werden Jugend und Kindheit wieder aktuell. Wenn der Patient sich an schöne Ereignisse aus der Kindheit und Jugend erinnert, beeinflusst dies sein Lebensgefühl im späten Alter oft positiv.

Verschiedenste Auslöser können Erinnerungen wachrufen – positiv wie negativ.

Es können aber auch schwere Themen wieder akut werden, die sich unterschiedlich äußern. Ein häufiger, ganz konkreter Auslöser ist, wenn ein aktueller Verlust wie der Tod eines gleichaltrigen Freundes, frühere Verlustgefühle wachruft. Deshalb sind die Erinnerungen und Geschichten von früher auch immer ganz persönlich.

Schwere Vergangenheit mit Folgen

Seelische Belastungen durch traumatische Erlebnisse können sich unterschiedlich äußern. Einige werden schreckhaft, andere aggressiv oder gereizt und wieder andere können sich nur mit Mühe auf etwas konzentrieren oder einschlafen. Einige Menschen leiden unter Alpträumen. Hinzu kommt, dass bestimmte Laute oder Gerüche Erinnerungen aus der Vergangenheit auslösen können. Diese sogenannten „Flashbacks“ sind so lebendig, dass es sich für den Pflegebedürftigen so anfühlt, als passiere die Situation gerade im Hier und Jetzt.

Wenn diese sogenannten Störungen nicht behandelt werden, drohen Folgen und Erkrankungen wie Depression. In manchen Fällen kommt es dazu, dass die Betroffenen ihren Kummer mit Alkohol betäuben. Während die Pflegebedürftigen leiden und sich Hilfe suchen müssen, leiden Familie und Freunde meist mit. Angehörige wissen häufig nicht, wie sie mit dem Kranken umgehen sollen, verstehen die Depression nicht. Daher ist es für sie oftmals ratsam, sich selbst Hilfe zu holen. Im Internet, aber auch in Selbsthilfegruppen können sich Angehörige austauschen, sich die eigene Last und Hilflosigkeit von der Seele reden.

Empathie ist wichtig

Verständnis und Empathie sind zwei wichtige Aspekte, damit mit den Betroffenen besser kommuniziert werden kann. Pflegebedürftige erleben so, dass ihre Reaktionen in Ordnung sind und verstanden werden. Und es ist gut, wenn sie ihre Gefühle nicht unterdrücken, denn nur so können sie bewusst Entscheidungen treffen, die auf einen neuen und anderen Weg führen. Deshalb ist wichtig, Akzeptanz und wenn es geht Nähe zu vermitteln, dabei aber möglichst neutral zu bleiben.

Empathie und Neutralität balancieren sich aus.

Denn es gilt auch: Man muss den Pflegebedürftigen nicht aus eigener Kraft „therapieren“. Es geht eher darum, eine neutrale Atmosphäre zu schaffen, in der auch schwere Themen und Erlebnisse akzeptiert werden. Je nach Umständen kann man dann zu einer Therapie raten. Was einem außerdem selbst in dieser Situation hilft: Ehrliche Gespräche mit Teamkollegen und Freunden über das Thema.