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Die Balance aus Familie und Beruf beschäftigt uns in vielen Berufen. Kommt zusätzlich noch die erhöhte Belastung durch Schichtarbeit dazu, wie sie in der Pflege üblich ist, erscheint diese Herausforderung besonders groß.

SCHICHTARBEIT WIRD HÄUFIGER

Aktuell liegt Deutschland noch im EU-Durchschnitt, was den Anteil von Bewohnern angeht, die in Schichtarbeit beschäftigt sind. Allerdings wächst bei uns diese Zahl, während sie in der EU allgemein eher rückläufig ist. Zum Vergleich: Während im Jahr 1991 noch 13% der Menschen in Schichtarbeit beschäftigt waren, waren es 2008 bereits fast 17%. Besonders Pflegerinnen und Pfleger sind von diesem Umstand betroffen, weil ihre Arbeit rund um die Uhr geleistet werden muss und meist nicht nach dem Abendessen beendet ist. Und da der Bedarf an Pflegekräften in Deutschland immer weiter steigt, ist ein Ende dieser Entwicklung auch nicht abzusehen.

Arbeiter im Schichtdienst leiden häufiger als ihre Mitmenschen unter Schlafstörungen, Magen- und Verdauungsbeschwerden oder Herzschmerzen.

Weil die Familie häufig feste Tagesrhythmen hat, ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zudem häufig schwieriger als bei ihren Mitmenschen mit Normalarbeitszeit. Kleiner Lichtblick: Schichtdienst zum Trotz beschreiben Arbeitnehmer im Gesundheits- und Sozialwesen, was Pflegerinnen und Pfleger miteinschließt, das Verhältnis von Arbeit und Privatleben mehrheitlich als ausgewogen.

CHANCEN DES SCHICHTDIENSTES

So schwierig Schichtdienst auf den ersten Blick wirkt, so viele Chancen bietet er auch. Eine gute Leitung, die die Mitarbeiter in der Pflege optimal einzusetzen vermag, kann viel Stress abwenden. Damit der Schichtdienst familienbewusst wird, muss er flexibel und individuell gestaltet werden. Werden Mitarbeiter ihren individuellen Vorlieben nach in den Schichtdienst integriert, fällt es ihnen leichter sich an diesen zu gewöhnen und ihn in ihr Leben zu integrieren.

Sogenannte „Lerchen“, also Menschen, denen frühes Aufstehen liegt, sind im Früh- oder Spätdienst besser aufgehoben und sogenannte „Eulen“, also Nachtmenschen, können die Nachtschichten übernehmen.

Zudem bietet der Schichtdienst häufig Flexibilität, die bei einem Job von 9 bis 17 Uhr nicht gegeben ist. Behördengänge, Einkäufe, Kontrollbesuche beim Arzt können oft stressfreier abseits der „Rushhour“ erledigt werden. Außerdem lassen sich außerplanmäßige Termine in der Schule der Kinder oder Schließungen der Schule für pädagogische Tage leichter ausgleichen. Eingespielte Pflegeteams können zudem nicht nur die Schichtarbeit sinnvoll untereinander planen, sondern dadurch mitunter auch echtes Teamwork fördern und das Arbeitsklima verbessern.

UNTERSTÜTZUNG DURCH DIE FAMILIE

Damit Schichtdienst und Familie zusammen funktionieren, müssen alle mitmachen. Das fängt bei Ruhezeiten an: Wenn die Kinder am liebsten toben würden, muss die Pflegerin oder der Pfleger aus dem Nachtdienst schlafen – Daher ist Rücksicht wichtig. Gemeinsame Zeit sollte genutzt werden, was auch bedeuten kann, Hausaufgaben und anderes entsprechend zu planen. Gerade Arbeitgeber können zudem Familienmenschen gezielt entlasten, z.B. indem sie für Spätschichten eher Mitarbeiter einplanen, die keine familiären Verpflichtungen (mehr) in Bezug auf Kindererziehung haben. Schichtarbeit muss zudem nicht zwingend unregelmäßig sein – Werden die Schichten so eingeteilt, dass sie einem wiederkehrenden Muster folgen, ist bereits eine bessere Planung möglich. Wir sind daran gewöhnt, Muster auf die Länge einer Woche zu beziehen, aber das ist überhaupt nicht nötig, solange das Muster hilft die Planung der Zeit mit der Familie zu erleichtern.