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Ein Berufstrend in der Medizin, der in den USA schon länger etabliert wird, schwappt mehr und mehr nach Europa über: Der „Physician Assistant“ kann grob als Mittelposition zwischen Arzt und Pflegekraft verstanden werden. Aber ist dieser neue Beruf im deutschen Gesundheitssystem wirklich sinnig?

WAS EIN „PHYSICIAN ASSISTANT“ EIGENTLICH IST

Die Berufsbezeichnung  „Physician Assistant“ hat sich in den USA bereits in den 1960er Jahren etabliert, breitet sich allerdings erst seit etwa den letzten fünfzehn Jahren in Europa aus. Arztassistenten und -assistentinnen werden im Studium darauf vorbereitet, den Ärzten selbst delegierbare Tätigkeiten abzunehmen und sie damit zu entlasten. Außerdem sollen sie Pflegern und Patienten als zusätzliche Ansprechpartner dienen. PAs dürfen beispielsweise eigenständig dokumentieren, typische Laborbefunde einordnen, periphere Gefäßzugänge legen und die Applikation von Medikamenten durchführen. Sie sind selbst keine Ärzte – aber im ursprünglichen Sinn eben auch keine Pflegekräfte mehr. Der 120. Deutsche Ärztetag hat dieses Jahr Ende Mai in Freiburg das Delegationsmodell des Physician Assistant befürwortet.

DER DBFK PROTESTIERT

Diese Zustimmung des Ärztetages kritisiert der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) scharf. Zwar seien die Probleme mit der flächendeckenden Ärzteversorgung durchaus real. Diese haben mitunter Ausschlag gegeben hat für die zunehmende Verbreitung des Studiengangy „Physician Assistant“ in Deutschland. Allerdings läge das Problem hauptsächlich im ambulanten Bereich und sei mehr ein Verteilungsproblem als ein wirklicher Mangel von Ärzten. Außerdem ignoriere das Studium weitgehend die Gegensätze, die zwischen Pflege und medizinischer Fachassistenz bestünden: Das eine sei ein klassischer Heilberuf, das andere eher betriebswirtschaftlich orientiert. Beide gleichermaßen als Voraussetzungen für den Studienzugang zu sehen, sei realitätsfremd und widersprüchlich. Wörtlich schließt der DBfK daraus:

„Es ist deshalb kontraproduktiv, hochqualifizierte Pflegeexpert/innen zu Arztassistent/innen umzuqualifizieren. Dies ist eine Vergeudung pflegerischer Kompetenz und eine Geringschätzung der Profession Pflege!“

Pflegefachpersonal kann bereits heute viele der Aufgaben ausüben, für die Arztassistenten und Arztassistentinnen ausgebildet werden sollen. Die angepriesenen Aufstiegschancen verschwiegen die Tatsache, dass in Deutschland nach wie vor allein Ärzte das Monopol für medizinische Heilkunde innehaben. Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe hat seine Position hier zusammengefasst: https://www.dbfk.de/media/docs/download/DBfK-Positionen/Position-DBfK-zu-Physician-Assistants-2017.pdf

Den ohnehin schon akuten Mangel an ambulanten Pflegekräften dadurch noch zu verstärken, dass an Krankenpflege interessierten Menschen ein eher betriebswirtschaftliches Studium nahegelegt wird, ist ein Problem. Denn so wird ambulante Behandlung wenn überhaupt nur sehr indirekt berührt. Ein Heilberuf rückt in den Hintergrund vor betriebswirtschaftlicher Entlastung von Ärzten. Den eigentlichen Pflegebedürftigen ist damit wohl kaum geholfen.