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Es ist schon bittere Ironie: In Deutschland sind es vor allem die Menschen, die im Gesundheitssektor arbeiten, die sich am häufigsten krankmelden. Das geht aus dem aktuellen BKK Gesundheitsatlas 2017 hervor, der im Juli erschien. Vor allem Menschen, die in der Pflege arbeiten, seien besonders häufig betroffen. Doch überdurchschnittlich oft liegt die Ursache gar nicht bei der körperlichen Belastung, sondern hat psychologische Ursprünge – Ursprünge, die gar nicht sein müssten.

(ALTEN-)PFLEGE BELASTET KÖRPERLICH

Menschen, die als Pflegekräfte arbeiten, sind Eckpfeiler unserer Gesellschaft. Sie kümmern sich um die Lebensqualität derjenigen, die gesundheitlich selbst nicht mehr auf der Höhe sind und setzen laut Studie dabei häufig die eigene Gesundheit aufs Spiel. Die Risiken entstammen dabei oftmals nicht dem Beruf an sich, sondern den Umständen, unter denen er ausgeführt wird.

Pflegeberufe sind mit körperlichen Gesundheitsrisiken verbunden, die in anderen Branchen so nicht auftreten. Durch den engen Kontakt, der häufig nötig ist, sind Atemwegserkrankungen möglich, und Körperflüssigkeiten stellen immer ein Infektionsrisiko dar. Dazu kommen die Resultate der körperlichen Arbeit: Da man viel geht, hebt und trägt, beispielsweise, wenn Menschen auf ein Pflegebett angewiesen sind, gehen Muskel-Skelettbeschwerden häufiger mit einem Beruf in der Pflege einher, als mit Jobs in anderen Branchen. Diese Statistik wird auch dadurch beeinflusst, dass das Durchschnittsalter unter Pflegerinnen und Pflegern relativ hoch ist.

Durch den richtigen sportlichen Ausgleich und die richtigen Techniken bei der Ausübung der Pflegetätigkeiten lassen sich körperliche Symptome gut verhindern bzw. unter Kontrolle bringen.

Das weit größere Problem laut dem neusten Gesundheitsatlas der Betriebskrankenkassen ist aber ganz anderer Natur: Viel mehr als Rückenschmerzen und Infektionen sind es vor allem psychische Probleme, die Menschen, die als Pflegekräfte arbeiten, systematisch zusetzen.

BERUFSKRANKHEIT: DAUERSTRESS

In vielen Betrieben bekommen der Studie nach die Pflegekräfte nicht die Unterstützung, die sie brauchen. Die Folge ist psychischer Stress. Gerade, wenn es um ambulante Behandlungen geht, kommt meist noch erschwerend hinzu, dass das Pflegepersonal zusätzlich durch Faktoren belastet wird, die selbst gar nichts mit dem eigentlichen Pflegeprozess zu tun haben. Oft sorgt mitunter Unterbesetzung und ein Mangel an Pflegern dafür, dass von Tag zu Tag immer nur hektisch ein Kunde nach dem anderen „abgeklappert“ werden muss. Unvorhersehbare Probleme, die immer wieder im Straßenverkehr aufkommen, stören die ohnehin schon zeitkritischen Abläufe zusätzlich.

Fallen aufgrund dieser Dauerbelastung die ersten Kollegen stressbedingt aus, treibt das die Problematik immer weiter auf die Spitze – Ein Teufelskreis entsteht. Die Sorgen gehen über das Tag-zu-Tag-Geschäft hinaus: In der Altenpflege ist laut der Studie fast einer von drei Pflegern nur befristet beschäftigt – Das ist mehr als doppelt so viel, wie durchschnittlich bei anderen Berufstätigen.

All der Arbeit, dem Stress und der tatsächlich geleisteten Hilfe zum Trotz werden Jobs in der Pflegebranche zudem nach wie vor gesellschaftlich nicht sehr hoch angesehen.

Ein nicht zu unterschätzendes Problem liegt also auch in einem Mangel an Motivation durch fehlende Anerkennung für das Geleistete.

Die Betriebskrankenkassen sehen die Verantwortung für eine Verbesserung der Lage bei den Arbeitgebern. Laut ihrem Gesundheitsatlas gilt: „Förderung der Mitarbeitergesundheit ist Führungsaufgabe“. Es gibt laut ihnen viele schwarze Schafe. Umso mehr Hoffnung weckt daher, dass einige Arbeitgeber in der Pflegebranche bereits heute die Probleme progressiv angehen.