Soziale Kompetenzen, heutzutage auch gerne als „Softskills“ bezeichnet, sind in den verschiedensten Branchen gefragte Fähigkeiten. In der Pflege jedoch sind sie noch wichtiger als in den meisten.

Fachwissen ist das eine

Natürlich ist medizinisches Fachwissen ein zentraler Baustein, wenn es darum geht, pflegebedürftigen Menschen möglichst gut zu helfen. Die Klischees von Pflegekräften, die nichts anderes beherrschen müssen, als Patienten zu waschen und zu füttern, gehören zum Glück mittlerweile weitgehend der Vergangenheit an – nicht zuletzt wegen der öffentlichen Diskussion des Themas in den letzten Jahren. Selbst, wenn an dem Gerücht etwas dran wäre, würde man damit der Tatsache die nötige Rechenschaft schuldig bleiben, dass auch Waschen und Essenreichen sehr anspruchsvolle Aufgaben sein können. Aber neben Fachkompetenz ist in Pflegeberufen vor allem Sozialkompetenz gefragt – Teilweise ist diese sogar um ein Vielfaches wichtiger.

Soziale Kompetenz ist keine einheitliche Sache

„Softskills“ ist nicht zu Unrecht die Mehrzahl. Denn man kann nicht einfach sagen: „Dieser Mensch hat Sozialkompetenz“ und das Thema damit abhaken. Denn Sozialkompetenz kann je nach Situation und Zielsetzung sehr unterschiedlich aussehen und mitunter sogar komplett entgegengesetztes Verhalten erfordern. Teamfähigkeit und die Fähigkeit mit anderen zu kooperieren, stehen hier an zentraler Stelle. Aber auch die Fähigkeit, Konflikte zu bewältigen, also Situationen, in denen Kooperation nicht immer möglich ist, sinnvoll zu beenden, gehört dazu.

In jedem Fall heißt das Schlüsselwort: Empathie.

Nur wer versteht, was andere denken und fühlen, kann entsprechend reagieren und damit Konflikte gar nicht erst aufkommen lassen. Dass gilt übrigens für Patienten und Kollegen gleichermaßen. Aber: Das Problem zu erkennen und Lösungen zu finden sind zwei verschiedene Dinge.

Die Schwierigkeit mit der Distanz

Vielleicht eine der größten Herausforderungen, die sich Pflegekräften bietet, ist es, die nötige emotionale Distanz zu halten und gleichzeitig ein gutes Verhältnis zu den pflegebedürftigen Menschen zu haben. Selten wird darüber gesprochen, wie schwierig dieser Spagat in der Praxis zu bewerkstelligen ist. Denn es gilt, dafür zu sorgen, dass der pflegebedürftige Mensch der Pflegekraft berechtigtes Vertrauen entgegenbringt. Gleichzeitig sollte dieses Gefühl des sich-verlassen-könnens echt sein: Eine gewisse Nähe zwischen Pflegepersonal und Patient lässt sich also selten vermeiden und das ist eigentlich auch gut so. Denn es sollte schließlich auch mehr sein als das Prinzip „Grundpflege und weg“. Trotzdem sollte ein gewisser Grad an emotionaler Distanz gewahrt werden. Zum einen ist das professionell, denn aller Sympathie zum Trotz handelt es sich immer noch um ein Pflegekraft-Patienten-Verhältnis. Zum anderen ist das nötig, um in extremeren Situationen die emotionale und psychische Belastung im Job möglichst gering zu halten.

In der Pflege unabdingbar

Kurz gesagt: Das Fachwissen und die medizinische Kompetenz können noch so groß sein; wem es an sozialer Kompetenz mangelt, der ist in der Pflege trotzdem nicht gut aufgehoben. Denn nicht nur die objektiv beobachtbaren, dokumentierten und fachlichen Pflegetätigkeiten sind für die Patientengesundheit wichtig. Einen maßgeblichen Beitrag dazu leistet die Zufriedenheit und die Lebensfreude der pflegebedürftigen Person. Menschen wollen nicht einfach nur gepflegt werden, Menschen wollen wertgeschätzt werden.

Darum geht es in der (Intensiv-)Pflege auch nicht einfach darum, dem Menschen mehr Zeit zu geben. Sondern es geht darum, die Zeit, die der Mensch hat, so schön wie möglich zu gestalten.