nachtschicht_ueberstehen

Welcher Schichtarbeiter kennt das nicht? Bei der Nachtschicht haut es einen fast aus den Schuhen vor Müdigkeit und kommen wir dann endlich nach Hause und wollen den Schlaf nachholen, fällt uns das Ein- und Durchschlafen schwer.

WOHER KOMMT DAS UND WAS TUT MAN DAGEGEN?

Um das zu klären, kurz etwas Theorie:

Die Nachtruhe ist wichtig, um sich physisch und psychisch zu erholen.

Der Körper und der Geist kommen zur Ruhe und das Hormon Somatotropin wird ausgeschüttet, welches für die Zellerneuerung zuständig ist – jedoch nur, wenn wir regelmäßig tief- und durchschlafen.

Wichtig für uns ist auch, einen Rhythmus bei unserem Schlaf zu haben (genau den haut uns aber der Schichtdienst kaputt) – Melatonin, das uns den Rhythmus ermöglicht, wird dummerweise zum größten Teil nachts gebildet. Durch die Dunkelheit steigt der Melatoninspiegel an und erreicht seinen Höhepunkt meist so gegen 2 oder 3 Uhr morgens – zu dieser Zeit ist es erfahrungsgemäß für die meisten Schichtarbeiter am schwersten, wach zu bleiben – wir sind müde, unkonzentriert und wir reagieren wie Prinz Valium.

Wenn die Nachtschicht dann endlich zu Ende ist und wir nach Hause fahren, bekommt unser Körper durch das Tageslicht dann das Signal, das Melatonin runter zu fahren und wach zu werden. Eine natürliche Reaktion, aber fatal für unser Schlafproblem. Hinzu kommt natürlich noch erschwerend, dass viele andere Menschen zu dem Zeitpunkt wach und aktiv sind und irgendwelchen Tätigkeiten nachgehen, die Lärm verursachen.

Wir kennen wohl alle das Gefühl wie es ist, schlafen zu wollen und nebenan wird Saxofon gespielt, der Nachbar mäht den Rasen, andere Nachbarn unterhalten sich lautstark im Hausflur – vor der Wohnungstür – gefühlt direkt neben Ihrem Bett…

Irgendwann haben Sie es dann endlich geschafft, trotz all der Störungen einzuschlafen – dann klingelt garantiert der Paketbote, der eine Sendung für den Nachbarn bei Ihnen abgeben will oder Tante Trude ruft an, um Ihnen den neuesten Familienklatsch zu erzählen.

In einem solchen Moment entwickelt sich ein großes Verständnis für Leute, die spontan Aggressionen entwickeln …

TIPPS, WIE DIE NACHTSCHICHT UND DER SCHLAF AM MORGEN DANACH LEICHTER WERDEN:

Die Nachtschicht:

  • Sorgen Sie für möglichst helles Licht bei der Arbeit.
  • Bewegen Sie sich nach Möglichkeit, wenn Sie ermüden – Bewegung hilft beim wach bleiben.
  • Beschäftigen Sie sich – nichts ermüdet einen schneller, als Langeweile und nichts zu tun zu haben.
  • Vermeiden Sie schwerverdauliches Essen – sonst ist Ihr Körper so sehr mit der Verdauung beschäftigt, dass Sie träge und müde werden. Besser ist ein Salat oder Obst gegen den Hunger bei der Nacht.
  • Wenig Kaffee oder Energy-Drinks – und bitte nur zu Anfang der Nachtschicht. Diese Getränke halten die meisten Menschen zwar wach, aber es dauert einige Zeit, bis die Wirkung einsetzt und wenn wir das die ganze Nacht trinken, wird’s einschlafen danach auch nicht gerade einfacher.
  • Gewöhnung hilft – am Tag vor der Nachtschicht so spät wie möglich zu Bett gehen und danach möglichst lange schlafen, so hat der Körper schon eine Vorbereitung auf die nächste(n) Nacht/Nächte.

THE DAY AFTER (ODER AUCH DER MORGEN NACH DER SCHICHT)

  • Der Raum, in dem wir schlafen, sollte möglichst dunkel sein – Rollo runter, Vorhänge zu ziehen – zur Not hilft auch eine Schlafbrille, wie sie an vielen Stellen sehr günstig zu bekommen ist. Auf dem Weg nach Hause sollte man schon allzu grelles Licht vermeiden – eventuell eine Sonnenbrille tragen, sofern möglich.
  • Ruhe wirkt Wunder – schließen Sie alle Türen zwischen Ihrem Schlafzimmer und der Wohnungs-/Haustüre, das Telefon auf lautlos und sofern machbar, die Klingel abschalten. Wenn gar nichts geht, versuchen sie mal Ohrenstöpsel (verträgt allerdings nicht jeder).
  • Informieren Sie so viele potentielle Störenfriede wie möglich darüber, dass Sie Nachtschicht haben, sprich die Nachbarn, damit sie vielleicht das neue Laminat nicht gerade morgens um 9 verlegen und Tante Trude kann Ihnen den Familienklatsch auch am Nachmittag berichten 😉
  • Einschlafrituale etablieren. Ihr Körper ist ein Gewohnheitstier und Einschlafrituale helfen nicht nur bei kleinen Kindern. Gewöhnen Sie Ihren Körper daran, dass ein bestimmtes Ritual die Vorbereitung auf den Schlaf ist – dies kann ein Glas warme Milch sein, im Bett etwas zu lesen oder ein wenig ruhige Musik – nicht alles funktioniert bei jedem gleich gut. Probieren Sie es aus, Sie werden überrascht sein. Das Wichtigste ist, setzen Sie sich nicht unter Druck – je mehr Sie darüber nachdenken, dass Sie JETZT unbedingt einschlafen müssen, umso weniger wird es funktionieren.