In den letzten Jahren ist der Anteil der Kollegen aus anderen Ländern und Kulturen im Pflege- und Medizinbetrieb immer mehr gewachsen. Manche wurden gezielt als bereits ausgebildete Pflegekräfte angeworben, andere wurden hier in Deutschland dazu ermutigt eine Ausbildung in deutschen Pflege- und Medizinberuf anzufangen – angesichts des starken Fachkräftemangels in den Pflegeberufen wird versucht, auf diesem Wege die angespannten Arbeitsbedingungen auszugleichen. Entsprechende Programme wurden gestartet, um die Ausbildung von Ausländern oder Geflüchteten im Pflegeberuf zu fördern.

Herausforderung Deutschland

Bei der Entscheidung den Pflegeberuf in Deutschland zu ergreifen, spielen mehrere Faktoren eine Rolle: Gute Bezahlung, Möglichkeiten zur Weiterqualifizierung und eine bessere Perspektive für das Leben und die Zukunft der Familie sind die größte Motivation, um das Heimatland zu verlassen und nach Deutschland zu kommen. Dafür nehmen Immigranten viel auf sich: Sie lernen die neue Sprache, lassen Familie und Freunde hinter sich, erlernen das Arbeitsfeld (teilweise) neu, knüpfen neue Kontakte und Freundschaften und bekommen eine Menge neuer Eindrücke einer ihnen oft fremden Kultur und Denkweise. Zur Ausbildung vietnamesischer Pflegekräfte gehört es beispielsweise, in der Lehre des Marxismus-Leninismus bewandert zu sein und der Schwerpunkt der Ausbildung liegt in der traditionell fernöstlichen Medizin, während die alltägliche Versorgung der Angehörigen in Vietnam durch die Familie geleistet wird.

Sprache als vorderste Priorität

Wie wirkt sich diese Situation auf den Arbeitsalltag in den Altenheimen, häuslichen Pflegeagenturen und nicht zuletzt in den Krankenhäusern aus?

Aus der Perspektive der Kollegen bedeutet eine neue Kollegin – ob aus einem anderen Land oder nicht – zunächst einen Mehraufwand. Viele Arbeitsabläufe sind nur durch Demonstration und Beobachtung vermittelbar. Hinzu kommen spezifische Anweisung für bestimmte Bewohner oder Personen, die kommuniziert und vermerkt werden müssen. Hier stellt sich bereits ein Problempunkt dar: Der Pflegeberuf gehört zu den kommunikationslastigsten Berufen.

Kommunikation ist in der Pflege das A und O.

Die Ansprache der Pflegebedürftigen, die Absprache mit Kollegen und Vorgesetzten – all das setzt eine gute Sprachfähigkeit voraus. Die Anforderung zur Einstellung in deutschen Pflegeeinrichtungen liegt daher auch beim Sprachlevel B2, das heißt die Kandidaten müssen sich schriftlich und mündlich verständlich ausdrücken können. Programme der GIZ (Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit) und der Bundesagentur für Arbeit bieten die Möglichkeit, schon vor der Ausreise nach Deutschland die entsprechenden Sprachkurse zu besuchen.

Der feine Unterschied

Im Falle der bereits ausgebildeten Mitarbeiter, die in Ländern wie Spanien, Albanien oder dem Kosovo angeworben werden, müssen sich diese oft auf das anders strukturierte Pflegesystem in Deutschland umstellen, das weniger akademisiert ist und mit weniger Befugnissen – wie etwa der Blutabnahme – einher geht. Angesichts dieser Unterschiede entschließen sich manche der ausländischen Fachkräfte, wieder zurück in die Heimat zu gehen.

Chance und Bereicherung

Herausforderung und Bereicherung liegen bei der Zusammenarbeit mit Kollegen anderer Kulturen nahe beieinander. Der Austausch und der Umgang mit den unterschiedlichen Herangehensweisen bieten durchaus Raum für neue Ideen. Das Hinterfragen von Abläufen empfinden manche vielleicht als negativ oder gar bedrohlich, aber das Potenzial für Verbesserungen, das sich dadurch bietet, sollte nicht übersehen oder ignoriert werden. Dafür müssen sowohl Vorgesetzte als auch Kollegen Offenheit und Lernbereitschaft zeigen.

Glückt die Integration, die Einarbeitung und das Zusammenspiel zwischen Kollegen und Kulturen entstehen zum einen oft wunderbare und bereichernde Freundschaften, zum anderen entspannt sich das Arbeiten und es bieten sich kurze Gespräche und der Austausch bei einem Kaffee. Und wer weiß, vielleicht lernt man ja was Neues dabei.